Andreaskreuz 170

Aus der Galerie


Kanukurs Jhg. 5
Image Detail

Jetzt online

Keiner

QR-Code

QR-Code dieser Seite

Profi-Tipps für den Weg in die Politik

Rund 100 Schüler wollen heute in die Rollen von Ratsmitgliedern schlüpfen und Ideen für Hildesheim diskutieren 

Hildesheim (jaz). Nur für den Papierkorb wollen die Neuntklässler nicht arbeiten. Schließlich haben sie viele Ideen, um Hildesheim attraktiver zu machen. „Vielleicht wird der ein oder andere Vorschlag von uns ja eines Tages realisiert“, hofft die 15-jährige Sophia Heine. Gemeinsam mit ihren Mitschülern vom Gymnasium Andreanum hat sie sich gestern auf das Planspiel „City-Upgrade“ vorbereitet, bei dem heute mehr als 100 Jugendliche das Rathaus bevölkern und eine Ratssitzung simulieren. Während die tatsächlichen Politiker derzeit vor allem das Sparen im Sinn haben, streitet sich der Nachwuchs dabei schon mal um Dinge, in die man beizeiten investieren könnte.

 

politik zum anfassen1Zum Beispiel mehr Freizeiträume für Jugendliche. So haben sich die Andreaner überlegt, dass es Orte für Minderjährige geben sollte, an denen es Billardtische und Kicker gibt. „Das Mehrgenerationenhaus ist zu weit weg von uns“, meint Jannick Schwartz. „Daher sollte es Alternativen geben.“ An Plätze wie den Aktivspielplatz im Stadtfeld traue sie sich beispielsweise gar nicht, meint die 15-jährige Nicole Zechiel: „Da hängen nur die Obercoolen rum.“ Argumente wie diese haben die Schüler gestern gesammelt, um sie heute im Rathaus vorzutragen. Die Andreaner haben drei Gruppen – Ausschüsse – gebildet, um verschiedene Anliegen zu bearbeiten. Damit sie für die Sitzung heute gewappnet sind, haben sie gestern Hilfe von den Profis bekommen. Michael Kriegel (FDP), Thomas Müller (Bündnis!) und Rita Rühmes (Bündnis!) kamen ins Gymnasium und gaben letzte Tipps. Auch die Planspiel-Mitstreiter aus dem Gymnasium Josephinum, der Robert- Bosch-Gesamtschule und dem Gymnasium Himmelsthür haben in den vergangenen Tagen Unterstützung von Ratsmitgliedern aller Parteien erhalten.

„Dinge ohne Diskussion einfach durchlaufen zu lassen, finde ich nicht so gut“, sagt Rühmes im Andreanum. „Redet über die Dinge.“ Innerhalb des Ausschusses allerdings schon vor der eigentlichen Ratssitzung, wie Kriegel betont. „Ihr müsst euch untereinander erstmal einig sein, dann als Gruppe geschlossen auftreten und eure Argumente vortragen.“ Gar nicht so einfach, wie einige der Schüler feststellen. „Bei allen Anträgen solltet ihr zunächst das Positive suchen und euch dann fragen: Ist das realisierbar?“, rät Müller. „Auf keinen Fall direkt alle Vorschläge der anderen mit dem Knüppel ablehnen.“

Wirklich auf das Geld achten, müssen die Schüler im Planspiel jedoch nicht. Organisiert haben das „City-Upgrade“ das Jugendforum, Oberbürgermeister Kurt Machens und der Verein „Politik zum Anfassen“. Heute kommen die Schüler zunächst in drei fiktiven Fachausschüssen zusammen: „Jugend und Soziales“, „Schule, Kultur und Sport“, „Bauen, Verkehr und Umwelt“. Anschließend treffen alle in einer fiktiven Ratssitzung aufeinander und diskutieren ihre Vorschläge. Unter anderem wird es um Buspreise, einen zentralen Schülertreffpunkt am Bahnhof, ein Strand-Café am Hafen und sprechende Uhren für Blinde an Ampeln gehen.

portrait 4

Die Anträge sollen in die echte Ratsarbeit einfließen. „Wir stehen hinter unseren Ideen und beschäftigen uns sehr viel damit“, sagt Sophia Heine. „Das ist kein stumpfes Lernen – wir machen selbst etwas, das ist das Tolle daran.“

 

Die Andreaner wollen im Rathaus zum Beispiel über den Bahnhof sprechen:

Tim Lutterbach, (15): „Die RBG schlägt eine Aufenthaltsmöglichkeit für wartende Schüler am Bahnhof vor. Die brauchen wir nicht. So etwas gab’s schon mal, es wurde aber nicht genutzt. Wir sollten dem Vorschlag widersprechen.“ Sophia Heine, (15): „Wenn man seinen Bus verpasst und am Bahnhof warten muss, kann man doch ins Café  Engelke gegenüber gehen. Ich finde auch, wir sollten nicht zustimmen.“ Celina Böger, (14): „Ich gehe in die Innenstadt, wenn ich am Bahnhof warten muss. Und man kann den Multistore ja nicht einfach aus dem Gebäude gegenüber rausschmeißen, um dort etwas für Schüler einzurichten.“

Eric Lippert (16): „Die RBG möchte in der Aufenthaltsmöglichkeit auch eine I

nternetverbindung anbieten. Das finde ich nicht gut, denn so holt man sich leicht Viren auf den Computer. Zudem wären die Kosten für einen solchen Ort zu hoch.“ 

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung  [HAZ ], 16.06.2011 

 

Das Schlaraffenland der Politik

Knapp 100 Schüler haben das Rathaus bevölkert – und für Oberbürgermeister Machens gab es einen Rüffel

Hildesheim (jaz). „Das ist ja wie im Schlaraffenland hier“, sagt Oberbürgermeister Kurt Machens lachend. Gerade eben hat er einen kleinen Rüffel von Rita Rühmes (Bündnis!) bekommen. Denn sie ist für das „City-Upgrade“ in die Rolle der Ratsvorsitzenden geschlüpft. Um die beiden herum sitzen knapp 100 Schüler im Ratssaal und diskutieren ihre Ideen, Hildesheim attraktiver zu machen. Doch Machens hat just einer davon einen Strich durch die Rechnung gemacht. „Bei der derzeitigen Haushaltslage ist es der Stadt nicht möglich, für die Oberstufenschüler die Busfahrkarten zu bezahlen. Sie können Radfahren, zu Fuß gehen oder müssen eben die Familienkasse belasten.“ Dieser Einwand mag berechtigt sein, doch passe er nicht ins Planspiel, erklärt Rühmes dem Stadtoberhaupt. „Die Vorgabe und Regel ist, dass wir heute nicht über Geld reden wollen.“ Machens nimmt’s gelassen und schaut zu den Schülern: „Ich wollte euch nicht verschrecken, aber die Realität ist manchmal eben grausam.“

Im Spiel ist jedoch Fantasie erlaubt. Und so kann es in der Politik schon mal wie im besagten Schlaraffenland zugehen, alles ist trotz Geldmangel erlaubt und möglich. Die Schüler der Gymnasien Josephinum, Andreanum und Himmelsthür sowie der Robert-Bosch-Gesamtschule haben gestern fleißig ihre insgesamt 41 Vorschläge für Hildesheim durchgekaut. Für einen Tag ist der Nachwuchs in die Rolle von Politikern geschlüpft und hat eine Ratssitzung simuliert, die Anträge sollen in die echte Ratsarbeit einfließen (HAZ von gestern).

Richtig in Fahrt kommt die Diskussion, als es um ein gemeinsames Völkerball- Turnier der Hildesheimer Schulen geht. Die „Fraktion Andreanum“ schlägt vor, die Stadt solle so etwas jährlich ausrichten, um den Kontakt zwischen den Jugendlichen zu verbessern. Doch die Andreaner haben ihre Rechnung ohne die anderen „Fraktionen“ gemacht. „Was ist denn mit der Verpflegung, soll sich die Stadt auch darum kümmern?“ „So ein Turnier ist Sache der Schulen, nicht der Stadt.“ „Dann schon lieber Fußball oder Basketball.“ „Ist doch unfair, wenn sportliche gegen unsportliche Schulen spielen.“ Die Schüler stimmen ab, nachdem sie alle Argumente gehört haben. Letztlich setzen sich die Gegner des Plans durch. „Abgelehnt“, summiert Rühmes. Die Radwege der Stadt, die Schlaglöcher, ein Schülercafé – all das steht auf der Agenda der Nachwuchs-Politiker. Mal sind sich alle einig, mal geht es zur Sache. Organisiert haben das „City-Upgrade“ der OB, das Jugendforum und der Verein „Politik zum Anfassen“. Und dessen Geschäftsführerin Monika Dehmel hofft, dass der erste Hildesheimer „Jugendrat“ nicht der letzte gewesen ist. „Es wäre wirklich toll, das Ganze regelmäßig zu veranstalten.“

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung  [HAZ ], 17.06.2011

ShoppingASEhandelASErhvervIndexDKServiceIndexDK