Wer notiert eigentlich noch täglich, was er erlebt? Eine Andreanerin hat nachgefragt
„Heute war ein schöner, sonniger Tag. Mit vielen lieben Grüßen deine Vanessa.“ Früher haben viele Mädchen fast täglich einen solchen Eintrag in ein Tagebuch geschrieben. Wie sieht es heute aus? Dazu habe ich 20 Jugendliche befragt: fünf Jungen und fünf Mädchen der Altersgruppe 13 bis 16 Jahre und genauso viele in der Altersgruppe acht bis zwölf Jahre.

Das Ergebnis: In der jüngeren Altersgruppe schreiben drei Mädchen ein Tagebuch, in der älteren eines. Doch kein einziger Junge. Diese sagten dazu, dass es ihnen zu kindisch und mädchenhaft sei. Den Mädchen, die nicht schreiben, fehlen Zeit und Lust oder sie haben schon vor einiger Zeit aufgehört. Einer der Jungen sagte: „Ich habe vor einigen Jahren mal Tagebuch geschrieben, aber meine Freunde haben mich deswegen ausgelacht, also habe ich wieder aufgehört.“
Eine ähnliche Meinung habe ich von einem Mädchen erhalten, das nicht mehr schreibt. Sie sagte: „Ab der fünften Klasse war es mir zu kindisch.“ Die Mädchen, die Tagebuch schreiben, tun dies, weil es für sie eine gute Freizeitbeschäftigung ist, Spaß macht und weil sie so sehr gut auf ihre Erinnerungen und schöne Momente zugreifen können.
Eine von ihnen sagte dazu: „Für mich ist es ein guter Zeitvertreib und es ist lustig, nach ein paar Jahren zu lesen, was ich früher so gemacht habe.“ Während früher fast immer ein klassisches Tagebuch mit Vorhängeschloss benutzt wurde, gibt es heute bereits High-Tech-Tagebücher mit UV-Licht und -tinte und Spracherkennung als Sicherheitsschloss. Es gibt aber auch Tagebücher für Faule: zum Ankreuzen und Ausfüllen. So eines benutzt eines der befragten Mädchen. Die anderen schreiben ihre Erinnerungen weiterhin in ein klassisches Tagebuch.
Nur eine der Befragten schreibt täglich Tagebuch, die anderen manchmal fast täglich, dann wieder eine Zeit lang gar nichts oder nur dann, wenn etwas Schönes oder Wichtiges passiert ist. Keine hat ein schlechtes Gewissen, wenn sie mal nichts reinschreibt. Dafür tragen zwei der Mädchen gelegentlich nach, wenn sie an einem Abend keine Zeit mehr hatten, aber etwas sehr Schönes festhalten wollen.
Allerdings haben drei von den vier Mädchen Angst, dass es jemand liest, für den es nicht bestimmt ist. Einem Mädchen wurde das Tagebuch tatsächlich schon mal von ihrem älteren Bruder weggenommen. Der hat dann seinen Freunden Geheimnisse über seine Schwester erzählt.
Warum schreiben Jugendliche heutzutage nur noch so selten Tagebuch? Es liegt daran, dass viele Jugendliche die meiste Zeit im Internet verbringen, wodurch sie entweder keine Zeit mehr für ein Tagebuch haben oder das, was sie sonst in ein Tagebuch schreiben würden, auf sozialen Netzwerken veröffentlichen. Oder es ist ihnen schlichtweg zu altmodisch. So kommt das Tagebuch langsam, aber sicher aus der Mode.
Vanessa Hintze, 8L1
Unser Buchtipp für euch ist der Roman „Niemandsland“. Es geht um den 14-jährigen Hal. Nachdem er aus einer anderen Jugendstrafanstalt geflohen ist, wird er in das Jugendgefängnis Hellenweiler geschickt. Er bekommt das Versprechen, dass er in Kürze entlassen wird – wenn er nicht in Schwierigkeiten gerät. Je mehr er allerdings versucht, den um die Vorherrschaft konkurrierenden Banden aus dem Weg zu gehen, desto mehr Ärger bekommt er.
Und langsam kommt er einem schrecklichen Geheimnis auf die Spur, welches sein und das Leben der anderen Insassen bedroht: Die Wächter treiben ein tödliches Spiel mit den Insassen. Das Einzige, was ihn dazu bringt, nicht mit dem Leben abzuschließen, ist seine Freundin, die er kurz vor der Gefangennahme kennengelernt hat. Uns hat das Buch sehr gut gefallen, da es durch die Ich-Perspektive Einblick in etwas gibt, was von dem normalen Bürger meistens ignoriert wird: Strafanstalten. In diesem Buch erfährt man außerdem, wie hart das Leben mit Leuten umspringen kann, die einmal einen Fehler begangen haben.
Philipp Nowak und Florian Roweck, Klasse 8L2
Erstaunlich viele Jugendliche kennen schon eine Menge alkoholischer Getränke und wissen, was ihnen am besten schmeckt. Das hat eine Umfrage in den Klassenstufen fünf bis neun ergeben. Ein überraschend großer Teil genießt Alkohol – mit oder ohne Wissen der Eltern.
Dabei stellten wir fest, dass Meinungen über Alkohol und das Trinkverhalten sich von Klassenstufe 5 und 6 auf 7, 8 und 9 drastisch verändert. In der Unterstufe findet man das Konsumieren von alkoholischen Getränken abstoßend, im 7. Jahrgang akzeptabel oder gut. „Sollen sie doch machen“, haben wir gehört, einige trinken sogar selbst ab und zu mal. „Man kriegt das so in die Hand gedrückt auf Feiern“, sagten befragte Schüler.„Manchmal gönnt man sich auch ein Bierchen vor dem Fernseher.“
Für die meisten Jugendlichen des 9. Jahrgangs gehört Alkohol ohne Frage zu einer guten Party, da trinkt man hauptsächlich, „um gut drauf zu sein“.
Emma Saueressig, Kirsten Küpers und Pauline Tebbenjohanns, Klasse 8L2
© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 16.06.2011

