„Ist das Kunst oder kann das weg?“ – unter diesem Motto war wohl unser erstes Quartier in der Neuen Welt zu sehen. Doch weltoffen, wie sich unsere Gruppe präsentierte, konnte der desolate Zustand unseres New Yorker Hotels der guten Stimmung und der gespannten Vorfreude auf die „City that never sleeps“ keinen Abbruch tun. Ein ganzes Wochenende hatten wir Zeit, um Manhattan per pedes und bei sommerlichen 28-30°C zu erkunden: Flat Iron Building, Broadway, das wuselige China Town, Washington Square, die Brooklyn Bridge bei untergehender Sonne. Am Sonntag ging es dann von unserem Hotel in der 25th Street nach Norden bis zum Central Park. Doch auch hier galt: Der Weg ist das Ziel.
So haben wir den einmaligen Times Square, das Empire State Building und das Rockefeller Center gesehen, bevor wir uns im Central Park ausruhen konnten. Dann ging es hoch hinaus zum „Top of the Rock“, um den sensationellen Blick über Manhattan in der untergehenden Abendsonne zu genießen. Zwei Tage in New York boten Highlights für jeden: Ob es nun einer der vielen idyllischen Parks, die Sehenswürdigkeiten, die Einkaufsmöglichkeiten oder die heruntergekommene Kunst des Carlton Arms Hotels waren - NY ist sicher eine Reise wert.
In bester amerikanischer Tradition zogen wir dann gen Westen – wenn auch nur bis nach Pennsburg, Pennsylvania, wo unsere Partnerschule, die Perkiomen School, liegt. Herzlicher hätte der Empfang nicht sein können, als wir am Montag von den Gastfamilien in der „Dining Hall“ in Empfang genommen wurden. Nach der ersten Nacht hieß uns am Dienstagmorgen die Schulöffentlichkeit willkommen und wir hatten die Gelegenheit, in den amerikanischen Schulalltag hineinzuschnuppern. Trotz strenger Regeln konnten wir den einen oder anderen schlafenden Schüler beobachten, uns über die kleinen Klassen (z.T. nur 2-3 Schüler) freuen, uns an der technischen Ausstattung erfreuen und unsere Deutschkenntnisse an die Amerikaner weitergeben. Trotz straff organisierter Tagesabläufe mit Unterricht, Sportveranstaltungen und Mahlzeiten in der Mensa blieb genug Zeit, um das „Robbie‘s“ und den dortigen Billiardtisch regelmäßig zu besuchen.
Am verregneten Mittwoch brachen wir dann auf, um ins Herzstück des Amish Country vorzudringen und das Lanis Valley Historical Museum, ein Freilichtmuseum, zu besuchen. Doch die Gedanken des Großteils der Gruppe waren, sehr zum Missfallen von Frau Heidkamp, weniger bei der Geschichte der deutschen Einwanderer als vielmehr bei den Geschäften des Outlet-Centers, dessen Besuch für den Nachmittag geplant war – so trafen auch an diesem Tag amerikanische Geschichte und Gegenwart aufeinander. Darüber, dass Frau Heidkamp mit der größten Einkaufstüte zum Bus kam, wollen wir aber lieber schweigen.
Jeder Tag bot neue Eindrücke, unbekanntes Essen, große Einkaufzentren, neue Kontakte zu amerikanischen Mitschülern und schließlich die Vorfreude auf den „Homecoming Dance“ am Samstag. Den ganzen Tag hatten Eltern Zeit, die Schule ihrer Kinder zu besuchen, verschiedenen Sportereignissen beizuwohnen, und am Abend wurden dann die „Homecoming Queen“ und ihr König bekannt gegeben – und außerdem gelangte fragwürdiges deutsches Kulturgut in Form von „Die Atzen“ in die Hände des amerikanischen DJs.
Nach einem himmlischen Wochenende, bei dem sich das schöne Pennsylvania mit seinen malerischen Farmen und sehenswerten Städtchen nochmals unter schönstem blauen Herbsthimmel präsentierte, rückte die Abreise schon bedrohlich nahe. Allen war klar: Wir wollen bleiben! Auf Facebook kursierten mittlerweile die abenteuerlichsten Verschwörungstheorien über mögliche Verstecke und Möglichkeiten, um den Abreisetag noch hinauszuzögern. Doch bevor dieser Tag kam, standen noch weitere Schulbesuche, ein aufschlussreiches Gespräch über die Region, die Amish und amerikanische Stereotypen mit dem Schulleiter Chris Tompkins und ein Besuch in der Geburtsstadt der Vereinigten Staaten, Philadelphia, an.
Mehr als ein Jahr der Vorbereitung und Planung sind nun ins Land gegangen und zwei Wochen nach der Abreise ist unsere 23 Personen umfassende Gruppe aus Pennsburg, Pennsylvania, zurückgekehrt; im Gepäck einige Kilo neuer Klamotten und tonnenweise neuer Eindrücke, vor allem aber das Gefühl, neue Freundschaften geknüpft zu haben. Mit Wehmut haben wir Abschied genommen und wohl alle beteiligten Schülerinnen und Schüler kehrten mit dem festen Vorsatz in die Heimat zurück: Wir bleiben in Kontakt, und wir kommen wieder!
Gemeinsam blicken wir nun auf zwei wunderschöne Wochen zurück und haben die Gewissheit, dass unser Antrittsbesuch bei Perkiomen nicht besser hätte laufen können und dass hoffentlich noch viele weitere Besuche folgen werden. Danke Perkiomen! Wir freuen uns auf den Gegenbesuch der Amerikaner im März 2012.
Thorsten Zwingelberg

