Zu Beginn dieses Schuljahrs haben wir dank unserer Kollegin Susanne Böning die Schnupperphase für die neuen 5. Klassen erweitern können: Wir alle hatten irgendwann den Einschulungsgottestdienst, die ersten Kennenlernspiele und den Wust an Infoblättern, Fahrkarten und eidesstattlichen Erklärungen (der Eltern) wenigstens einigermaßen bewältigt. Daher konnten die Klassen mit uns Klassenlehrerinnen für einen Tag dem Andreanum den Rücken kehren und sich zum Kanuzentrum der Stadt Hildesheim am Hohnsen auf den Weg machen.
Wichtig war dabei sicher, dass für jede Klasse ein eigener Vormittag zur Verfügung stand, an dem wir alle von Susanne Böning und unserem neuen sozialpädagogischen Kollegen, Christian Buitenduiff, in die Geheimnisse des Kanufahrens eingewiesen werden sollten. Unser Tag, der Tag der 5L1, startete bereits um 5 Uhr morgens mit einem Gewitter, das zwischenzeitlich kurz abklang, aber ab 7.45 Uhr mit ungebremster Kraft weiter wetterte. Trotzdem machten wir uns zu Beginn der ersten Sunde auf den – an sich ja nicht allzu weiten - Weg zum Hohnsen und konnten uns hierbei zum ersten Mal richtig gegenseitig testen: Wer hat Angst vor Gewitter, unter welchem Baum sollte man sich zum Schutz verstecken, bei wem hatte es schon mal eingeschlagen? Interessant für mich als Lehrerin waren auch die etwas bangen, stets aber sehr höflichen Hinweise meiner neuen Schülerinnen und Schüler, dass es doch sicher etwas gefährlich werden könne, bei Blitz und Donner in See zu stechen. Einerseits konnte ich das nur beruhigend bestätigen (aber den Mädchen und Jungen ihre Angst nicht wirklich nehmen), andererseits fand ich es dann auch irgendwann etwas ungemütlich, sodass ich zu einer längeren Rast unter das Vordach des Eingangs der Jo-Wiese einlud – dort blieben wir dann noch ein gutes halbes Stündchen, von unserem eigentlichen Ziel nur etwa 200 m entfernt… Irgendwann erreichten wir das Kanuzentrum aber doch und nun wurde mir wieder richtig deutlich, warum ich unbedingt für diesen Tag plädiert hatte: Die Klasse kam aus einer zum Schuljahresanfang wohl gestylten Schule hinein in das pralle Leben von vermieften Umkleideräumen, Schuppen voller Neoprenanzüge und Schwimmwesten, hin zum Boots- und Paddelschuppen. Nach einer kurzen Einweisung musste nun jeder für sich, aber auch zugleich für andere sorgen – erst als der letzte Neoprenanzug in XXS wirklich saß, konnten wir uns an das Bootetragen machen. Ein kurzer Weg für einen Jogger, ein langer für zwei oder drei 5.-Klässler, die gemeinsam ein Kanu zum Steg tragen. Hier lernt man sich wirklich kennen und weiß vermutlich danach, mit wem man in Zukunft in ein Boot steigen wird. In unserem Fall hatte jeder sein eigenes Kanu, wir konnten tatsächlich ins Wasser, da das Gewitter endlich vorüber gezogen war. Mit einem kräftigen Wind von vorn (irgendwie kam er aus jeder Richtung von vorn) arbeiteten wir uns über den See und zurück. Es kenterte tatsächlich keine(r), allerdings musste der eine oder andere von unseren Trainern wieder auf die rechte Spur geführt werden. Jetzt kam für die Klasse der größte Spaß, für die Klassenlehrerin der größte Stress: Wir glitten zunächst harmlos über mehrere Stufen vom Land aus im Kanu in den See, danach ließen sich einige von einer Mauer aus ins Wasser „bootfallen“, schließlich auch von einem Geländer. Zu diesem Zeitpunkt gurgelte das Wasser unter den Schwimmwesten bereits an jeder Stelle des Körpers, und die Stimmung der Gruppe erreichte ihren Höhepunkt. Zu zweit, maximal dritt oder allein sprangen die Schülerinnen und Schüler von einer Mauer in voller Montur immer wieder in den See – offensichtlich ein Riesenspaß! Auch wir haben aufgehört, als es am schönsten war – allerdings stand uns allen noch der gemeinsame Abbau bevor: Boote an Land tragen, ausputzen, an ihre Plätze wuchten, die nassen Klamotten ausziehen und vorschriftsmäßig auf Bügeln aufhängen, schließlich einen kleinen Duschraum zu mehreren teilen und die eigenen Sachen in all dem Chaos wiederfinden. Am Ende erschöpft in der Sonne sitzend, endlich etwas frühstücken (so gegen 12.00), ehe sich eine kleine Gruppe derjenigen, die nicht direkt am Kanuzentrum abgeholt wurden, noch auf den Rückweg machte: Manchmal ist der Hagentorwall ganz schön steil und das Andreanum eine schier unbezwingbare Festung … Ich bin sehr froh über diese erlebnispädagogische Maßnahme, wie unser Schulvormittag wohl in der Literatur betitelt würde, oder auch: über einen großen Spaß, ein gemeinsames Erleben, viel Adrenalin an einem Schulvormittag und einen ganz großen Kennenlerneffekt in meiner Klasse!
Annette Neubaur

