Rotenburg (r). Niklas Galke ist 16 Jahre alt. Seine Karrierewünsche: Medizin oder Musikpädagogik studieren. Dazu muss aber erstmal das Abitur gemacht werden. Niklas besucht die zehnte Klasse am Gymnasium Andreanum in Hildesheim. Nun aber ist er für drei Wochen zusammen mit 14 Mitschülern zu Gast in den Rotenburger Werken.
Er absolviert ein Praktikum im Förderzentrum am Kalandshof. Dort bekommen Menschen mit Behinderung und hohem Assistenzbedarf Förderangebote in einer Tagesstruktur. Basteln, Spielen, musikalische und Bewegungsangebote gehören dazu. Galke assistiert in seinem Praktikum in einer Gruppe mit neun Personen mit Behinderung. Mit Kalle Bartels hat er zum Beispiel Girlanden für das Sommerfest gebastelt. Fasziniert ist er von der Spontaneität der versorgten Menschen. Bei einem Morgenkreis lief Musik, Westerland von den Ärzten, und plötzlich stand ein Mann mit schwerer geistiger Behinderung auf und tanzte einfach mit. Der 16-jährige Praktikant fühlt sich wohl in Rotenburg und den Werken. Seit etwa 25 Jahren besteht eine Partnerschaft zwischen der Einrichtung der Behindertenhilfe und dem Gymnasium in Hildesheim. Niklas Galke wusste von Schülern, die in den Vorjahren zum Praktikum waren, wie viel Spaß die Arbeit macht, wie schön aber auch die Gemeinschaft der Schüler ist, die drei Wochen in Wohnungen der Werke zu Gast sind. Früher dauerte das Praktikum vier Wochen, aber das Abitur nach der zwölften Klasse hat auch Spuren hinterlassen. „Drei Wochen sind eigentlich zu wenig“, sagt Galke. „Die vergehen ja wie im Flug.“ Rotenburger Rundschau, 10.07. 2011