Am 1. Oktober 2011 starb im Alter von 64 Jahren Herr OStR Karl-Heinz Deumler.
Nach Studium und Referendariat begann Karl-Heinz Deumler 1976 seinen Dienst als Lehrer für Mathematik und Physik am Gymnasium Andreanum in Hildesheim. Zur damaligen Zeit herrschte akuter Lehrermangel in den Naturwissenschaften. So musste beispielsweise jeweils für einen ganzen Jahrgang der Unterricht in Mathematik entfallen bzw. durch gelegentliche Schulfernseh-Vorführungen ersetzt werden.
Um diesen Mangel zu verringern, begann Herr Deumler mit einer – aus heutiger Sicht kaum vorstellbaren – Arbeitsbelastung von ca. dreißig Wochenstunden Unterricht. Im Rahmen seiner langjährigen Tätigkeit am Andreanum leitete Karl-Heinz Deumler nacheinander die Fachbereiche Physik und Mathematik. Im Rahmen dieser Tätigkeit sorgte er unter anderem für eine zeitgemäßere Ausstattung der Physik-Sammlung. Auf seine Initiative hin wurde auch die Exkursion zum Deutschen Elektronen-Synchrotron in Hamburg sowie zum Forschungsreaktor Geesthacht ein regelmäßiger Bestandteil des Physikunterrichts der Oberstufe. Im Mittelpunkt standen aber für Karl-Heinz Deumler immer die Schülerinnen und Schüler. Er war Lehrer aus Leidenschaft. Stets war es ihm ein besonderes Anliegen, die schwierigen Inhalte seiner Fächer verständlich und schülernah zu vermitteln. Großen Wert legte er dabei auf Anschaulichkeit und Klarheit. Nicht zuletzt hat aber auch seine stets humorvolle Art des Unterrichtens, gewürzt mit einer gehörigen Prise Selbstironie, sein pädagogisches Wirken nachhaltig in der Erinnerung der Schüler verankert. Sein Bemühen galt dabei stets allen Schülern der Klasse. Insbesondere diejenigen, die sich schwer taten im Erlernen mathematischer oder physikalischer Sachverhalte, unterstützte er auf vielfältige Weise. Auch als Klassenlehrer war er immer bestrebt, alle in das nächste Schuljahr „mitzunehmen“. Als zusätzliche Motivation bot er auch schon ’mal an, dass sie ihm im Erfolgsfall seinen Vollbart abrasieren dürften – was sie dann auch mit Begeisterung taten.
Zu Beginn der neunziger Jahre suchte er sich neben der Schule an der Universität Hildesheim ein weiteres anspruchsvolles Betätigungsfeld. Er studierte Informationswissenschaften und erhielt nach dem Abschluss einen Lehrauftrag in Informatik. Mit großem Engagement widmete er sich seitdem der Ausbildung von Lehramtsstudenten, sowohl im universitären als auch im schulischen Bereich. Die Studenten sammelten einerseits Berufserfahrungen durch Unterrichtseinheiten in seinen 5. Klassen. Andererseits brachte er mit seinen Schülern im Rahmen einer AG „Netzwerkspiele“ frischen Wind in die sonst eher nüchternen, stillen Computerräume der Universität. Sehr am Herzen lag ihm auch die Förderung begabter Schüler. So warb er immer wieder erfolgreich Schüler unserer Schule für ein Junior-Studium an der Universität. Schließlich engagierte sich Karl-Heinz Deumler auch für „sein“ Kollegium: Beispielhaft seien hier zehn Jahre Personalratsarbeit genannt. Auf seine Initiative geht z. B. der Andreanerball zurück. Lange Jahre organisierte er Kollegiumsrunden zum Kegeln, bei denen weniger der Sport als der lockere Austausch in gemütlicher Atmosphäre im Vordergrund stand. Für uns Physiker war Karl-Heinz Deumler im Physik-Vorbereitungsraum über ein Vierteljahrhundert Raumältester. Dort fanden wir ein Refugium, in dem – außerhalb der Hörweite der Schulleitung – gelegentlich klare, deutliche Worte gesprochen wurden. Auch so manche ungeliebte oder unverständliche von oben verordnete Maßnahme wurde hier abgewettert.
Neu im Kollegium Der Frankreich-Fan Karl-Heinz Deumler war hier der Patron, der junge Kollegen mit väterlichem Rat unterstützte, der ordnerweise eigenes Unterrichtsmaterial zur Verfügung stellte und immer einen experimentellen Kniff parat hatte, wenn der Versuch eines Kollegen wieder einmal nicht funktionieren wollte. So wird Karl-Heinz Deumler uns Kollegen, den Schülern und der Schule unvergessen bleiben. In Trauer: Lehrer/innen und Schüler/innen des Andreanums und Angehörige.
Joachim Gretsch, Edgar Herm

