Jungbanker trotzen Rezession und Pleiten

nordbank 2015Vier Andreaner wollen mit ihrer „Nord Bank“ beim Planspiel „Schulbanker“ in Potsdam das Finale gewinnen

Hildesheim. Beim „Planspiel Börse“ haben sich spielerisch schon Generationen von Schülern als Aktienspekulanten mehr oder weniger erfolgreich versucht. Vier Andreanern war das nicht genug: Johnny Bonk (17), Lorenz Habenicht (18), André Osterwald (18) und Anton Schulte (18) leiteten als „Schulbanker“ jetzt gleich eine komplette Bank. Und das so erfolgreich, dass sie bundesweit unter die 20 besten Teams gekommen sind und nun im Finale in Potsdam um den Titel des besten Bankers kämpfen.

Dass es ein hartes Stück Arbeit werden würde, hatten sie geahnt. Dass die erfolgreiche Marktpositionierung einer Bank aber derart zeit- und nervenraubend sein würde, überraschte die vier Abiturienten dann aber doch. Kein Tag der sechsmonatigen Bewährungszeit verging, an dem die Smartphones nicht glühten und zwischen den vier Vorständen strategische Entscheidungen diskutiert wurden. Ihre „Nord Bank“ stellten sie schließlich betont kundenorientiert auf, ein respektabler Teil ihren Phantasie- Vermögens steckten die jungen Männer in den Aufbau von Filialen.

Die Kunden dankten es ihnen durch Treue. Und obwohl die „Nord Bank“ getreu der Spielregeln gerade in der Anfangsphase mit einer schwächelnden Konjunktur zu kämpfen hatte, wuchsen Rücklagen und Bilanzgewinne beständig. Zu den guten Ergebnissen, meint Bonk, habe wohl auch beigetragen, dass sich die Vorstände im zweiten Bilanzjahr zur Einführung des Online-Bankings entschieden haben. Trotz hoher Investitionskosten in der Anlaufphase habe so die Effizienz von Verwaltungsabläufen spürbar gesteigert werden können.

Innerhalb der sechsmonatigen Aktionszeit mussten die Schulbanker sechs angenommene Bilanzjahre durchlaufen und auf einen Wirtschaftszyklus mit Boom und Rezession, Depression und Expansion reagieren. Ihre Vorgaben erhielten sie online – ihre Bewertungen auch. Als „bodenständiges und kundennahes“ Unternehmen sowohl für Privat- als auch Geschäftskunden stand für die Nord-Banker die Sicherheit der Kundeneinlagen immer an vorderster Stelle.

Die Strategie gefiel den Spielbetreuern vom Bundesverband deutscher Banken so gut, dass sie die Hildesheimer unter die 20 besten Teams einreihten. Insgesamt hatten sich 830 Mannschaften aus Deutschland, Österreich und der Schweiz mit fast 4000 Schülern den Herausforderungen gestellt. Aus Niedersachsen kamen nur drei Mannschaften in die Endrunde; neben der Nord Bank noch die Bank of Kronos aus Helmstedt und Brainstorm aus Wolfsburg.

In der Finalrunde vom 25. bis 27. April in Potsdam werden sich alle im Schnelldurchlauf noch einmal den Marktherausforderungen stellen, werden Zinsen festlegen, Börsenkurse beobachten und Kredite vergeben, werden sich entscheiden müssen, ob sie in das Filialnetz, in Weiterbildung oder Werbung investieren. Mit in der Endrunde sind übrigens auch Konkurrenten mit so eigenwilligen Namen wie Barkasse, Bank-Rott, Moneymakers oder Turbo-Bank, die ebenfalls auf einen Sieg hoffen.

„Kinder und Jugendliche sollten möglichst früh den Umgang mit Geld lernen“, sagt Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, der das Planspiel vor 17 Jahren ins Leben gerufen hat und seither mehr als 70 000 Jugendliche aus 6000 Schulen bewegen konnte. „Nur so können sie sich in einer Welt zurecht finden, in der sie früh genug wichtige wirtschaftliche und finanzielle Entscheidungen treffen müssen.“

Vorkenntnisse haben die vier Andreaner allerdings längst: Bei ihrem Lehrer Michael Jahn belegen sie Leistungskurse in Politik und Wirtschaft, schreiben unmittelbar nach dem Spielfinale darüber sogar ihre Abiturarbeiten. Nun wollen sie in Potsdam den „Jackpot“ holen, wollen Banker des Jahres werden. Doch auch wenn ihr letzter fiktiver Bilanzgewinn überdurchschnittliche 11 246 924 Euro betrug: Selbst Banker werden will keiner von ihnen. Johnny will Jura studieren, André hat eine Lehrstelle als Orgelbauer in Kevelaer sicher, Anton wird Forstwirtschaft belegen, Lorenz hat sich noch nicht entschieden.

Marita Zimmerhof

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 21.04.2015

 

Preisverleihung

 27. April 2015 - Sie konnten am besten kalkulieren, ihr Budget einschätzen, Kredite vergeben, Zinsen festlegen. Die Schüler des Heisenberg-Gymnasiums aus Hamburg hatten mit ihrer TURBO-Bank die Nase ganz vorn und sind Sieger von SCHUL/BANKER 2015, dem Planspiel des Bankenverbandes.

Platz 2 auf dem Treppchen erkämpfte sich das Gymnasium Andreanum aus Hildesheim, dritter Sieger wurde das Team des Gymnasiums Julianum in Helmstedt. Das spannende Finale zwischen den 19 besten virtuellen Banken war am Wochenende live in Potsdam ausgetragen worden. Bei der festlichen Preisverleihung heute in Berlin gratulierte Michael Kemmer, Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes, den Finalisten: "Was Sie alle auszeichnet, ist Ihr großartiges Engagement über die vergangenen Monate. Spaß, Begeisterung, Siegeswillen und Unternehmergeist - das haben Sie uns gezeigt. Und dabei gelernt, wie ein Unternehmen, wie eine Bank funktioniert."

Hinter der Idee von SCHUL/BANKER stecke, eine Brücke zwischen Theorie und Praxis, zwischen Schule und Wirtschaft zu schlagen, so Kemmer. Schüler sollten in die Welt der Wirtschaft eintauchen, indem ein Stück Wirtschaft in die Schulen geholt würde.

Auch die Vorsitzende des Finanzausschusses im Bundestag, Ingrid Arndt-Brauer (SPD), die mit Michael Kemmer die Preise an die drei Bestplatzierten verlieh, sagte: "Wir müssen junge Leute in ihrer Wirtschaftskompetenz stärken. Deshalb setze ich mich schon lange dafür ein, dass ökonomische Bildung mehr als bisher an Schulen unterrichtet wird." Dass sich Schüler und Lehrer in Wirtschaftsprojekten wie SCHUL/BANKER engagierten, sei ein wichtiger Schritt, so die Bundestagsabgeordnete.

Die Preisverleihung fand heute Mittag in der Akademie der Wissenschaften am Gendarmenmarkt in Berlin statt. Die drei besten Schülerteams gewannen Geldpreise in Höhe von 4.000, 3.000 und 2.000 Euro für die Schulen.

© 2015 Bundesverband deutscher Banken, Berlin