Schulentwicklung und QualitätssicherungGanztagskonzept, Wahlpflichtfach Mathematik-Naturwissenschaften, Schulordnung: durch so unterschiedliche Themen war die Schulentwicklung am Andreanum im vergangenen Jahr unter anderem gekennzeichnet. Sie befinden sich in unterschiedlichen Stadien der Realisierung. Das Ganztagskonzept ist nach langen, intensiven Diskussionen in Arbeitsgruppen und Gremien mit großer Einmütigkeit verabschiedet worden. Es ist Grundlage des Antrags von Finanzmitteln des Bundes für den Bau einer Mensa, über deren Bewilligung noch nicht entschieden ist. Wie immer dieses Verfahren ausgeht, das Konzept soll vom Schuljahr 2006/2007 umgesetzt werden. Das Wahlpflichtfach „MatNat“ hat jetzt den ersten Durchlauf hinter sich, Erfahrungen werden ausgewertet. Das Wahlverhalten rechtfertigt die Notwendigkeit der Einführung neben der dritten Fremdsprache, Französisch ist dadurch wenig tangiert, auch Griechisch findet weiter in lebensfähigen Gruppen statt. Im Bereich der Ordnungen für das Andreanum wurde nach der neuen Schulverfassung zunächst die „Ordnung über die Erziehungsmittel und Ordnungsmaßnahmen“ von einer Arbeitsgruppe der Ständigen Konferenz in Angriff genommen und im Konsens mit Lehrer- , Eltern- und Schülervertretern vom Landeskirchenamt beschlossen. An einer verbindlichen Übereinkunft über Regeln des Zusammenlebens an unserer Schule wird gegenwärtig gearbeitet. Im Laufe dieses Schuljahres wird sie sicher von der Ständigen Konferenz verabschiedet werden können.
In den drei hervorgehobenen Fällen geht es um Teilkonzepte der pädagogischen Arbeit am Andreanum, die ihren Platz einmal in einem größeren „Schulprogramm“ finden sollten. Das Gymnasium Andreanum besitzt ja bereits seit ca. 10 Jahren ein schriftlich fixiertes „Selbstverständnis“, das man in heutiger Terminologie wohl als eine Verbindung aus „Leitbild“ und „Schulprofil“ bezeichnen würde. In den vergangenen Jahren ist dieses Selbstverständnis vielfältig konkretisiert, teilweise auch ergänzt und modifiziert worden. Die Aktualisierungen des Textes der umfänglichen Darstellung „Die Schule“ auf der Homepage des Andreanum sind ein Zeichen dafür. Es wird künftig darum gehen, in unterschiedlichen Bereichen der pädagogischen Arbeit bereits erprobte und praktizierte Konzepte schriftlich zu fixieren und ihre Entwicklungsperspektiven zu formulieren; dazu gehören z.B. das Förder- und Beratungskonzept. Auf diesem Wege entsteht allmählich ein aktuelles Schulprogramm, das als Grundlage einer Qualitätsüberprüfung unserer Schule von ihren eigenen Zielen her dienen kann. Solche regelmäßige Überprüfungen durch eine „Schulinspektion“ laufen derzeit in Niedersachsen an. Wesentlich für uns ist es gegenüber den allgemein geltenden Qualitätsstandards - z.B. für guten Unterricht - auch die eigenen Schwerpunkte und Kriterien für die Qualität einer evangelischen Schule deutlich zu machen: Etwa die Entwicklung tragfähiger Konzepte für Gottesdienste und Feiertage wie den Reformationstag, die uns ein zentrales Anliegen sind, oder das Bemühen um eine besondere Kultur des Miteinanders, wie es sich z.B. in den Schwerpunktsetzungen der Eingangsphase in den 5. Klassen ausdrückt. Die gegenwärtige Diskussion über Qualitätsstandards in den öffentlichen Schulen bildet auch für uns den Anlass über „Qualitätssicherung“ im besonderen Horizont einer Schule in kirchlicher Trägerschaft nachzudenken. Lehrerschaft, Eltern und Schüler sind aufgerufen sich daran zu beteiligen, denn das Andreanum ist unsere gemeinsame Angelegenheit.
Hingewiesen sei auch auf weitere Entwicklungen im vergangenen Schuljahr: Der Lateinplus-Zweig, das Angebot von Latein neben Englisch in Klasse 5 hat sich bewährt, das Interesse, das sich in den Anmeldezahlen ausdrückt, war auch beim zweiten Mal hoch. Die Verstärkung der Öffentlichkeitsarbeit durch ein neues Konzept für den Informationsabend, eine attraktive Schulbroschüre und der Aufbau von engeren Kontakten zu den Grundschulen hat eine sehr positive Resonanz hervorgerufen. Auch die gestiegene Zahl der „Quereinsteiger“ auf das Andreanum ist ein Zeichen der gelungenen Öffnung der Schule nach außen.
Hartmut Schulz
Die Veränderungen in den schulpolitischen Rahmenbedingungen zum Beginn des Schuljahres 2004/2005 sind für das Andreanum wie für alle anderen Schulen eine Herausforderung. In vielen Bereichen verfügen wir glücklicherweise bereits über Erfahrungen, auf die wir aufbauen können, z.B. in der der Begleitung der 5. und 6. Anfängerklassen. Auch das Andreanum hat jetzt allerdings erstmals 5. und 6.Klassen, die in nur noch 12 Jahren zum Abitur geführt werden. In den nun noch mehr verdichteten Stundentafeln ist es uns durch Umschichten und Nutzen von Freiräumen dennoch gelungen besondere Schwerpunkte des Andreanums lebendig zu erhalten:
Es gibt damit drei Möglichkeiten des Starts am Andreanum mit unterschiedlichen Schwerpunktsetzungen, die jedoch alle seit langem zum besonderen Gesicht dieser Schule gehören und in der Praxis erprobt sind. Weiterhin wird auch die obligatorische Kombination von Englisch und Latein, von obligatorischer Kommunikations- und exemplarischer Reflexionssprache, ein Kennzeichen des Andreanums und seines Konzeptes einer vertieften sprachlichen Bildung sein.
Das Andreanum befindet sich nach Jahrzehnten zum Beginn des neuen Schuljahres in einer echten Konkurrenzsituation mit anderen Schulen. Künftig wird die Entscheidung für den Besuch des Andreanums als Alternative zu anderen gymnasialen Angeboten noch bewusster fallen als bisher. Die fachliche Profilierung ist dabei die eine Seite, das pädagogische Selbstverständnis die andere. Gerade dies ist jedoch für Eltern ein wesentlicher Entscheidungsfaktor: Wichtig ist z.B., wie Kinder bei ihrem Wechsel von der Grundschule zum Gymnasium begleitet und unterstützt werden, wie sie dann im weiteren Verlauf auf für alle geltende Qualifikationsüberprüfungen vorbereitet werden. Wichtig ist aber auch, dass die Breite der Bildungsaspekte dabei nicht aus dem Blickfeld gerät, gerade im Bereich von sozialem Lernen und persönlicher Orientierung. Sicherlich sind wir hier auf einem guten und durch Erfahrung und Reflexion fundierten Weg. Wesentlich ist dabei auch, dass wir garantieren können, dass Kinder, die auf dem Andreanum aufgenommen sind, diese Schule bis zum Abitur in kontinuierlichen, in der Größe überschaubaren Lerngruppen ohne Einbrüche durch Neuzusammenstellung von Klassen oder Schulwechsel besuchen können, wenn sie die für den gymnasialen Bildungsgang geltenden allgemeinen Leistungsansprüche erfüllen können. Diesem Ziel dient der Förderunterricht. Diesem Ziel dient auch unsere Entscheidung, zum neuen Schuljahr neben den dritten Fremdsprachen die Alternative eines Wahlpflichtfaches Mathematik/Naturwissenschaften einzuführen. Er ist für Kinder gedacht, die mit großen Schwierigkeiten im sprachlichen Bereich zu kämpfen haben und mit zwei Fremdsprachen dabei voll ausgelastet sind. Dieses Problem setzt noch früher ein, wenn die dritte Fremdsprache künftig bereits im 7. Jahrgang beginnt. Das Konzept ist dabei auf ein im Anspruchsniveau den dritten Fremdsprachen entsprechendes Fach angelegt. Es geht darum, individuellen Begabungen und Schwierigkeiten gerecht zu werden, nicht darum Bildungsansprüche zurück zu schrauben. Dies soll auch eine Entscheidung für den Besuch des Andreanums erleichtern, die zu einem Zeitpunkt getroffen werden muss, an dem Eltern naturgemäß oft noch nicht absehen können, wo künftig die Stärken und Schwächen ihrer Kinder liegen werden.
Die Wochenstundenzahl wird sich künftig erhöhen, die Schultage damit länger werden. Umso mehr wird die Schule zum Lebensraum, der bewusst gestaltet werden muss. Achtstündige Arbeitstage, an denen auch noch am Nachmittag sinnvoll gelernt werden kann, sind ohne eine längere Mittagspause kaum denkbar. Für Aktivitäten, die über das Pflichtprogramm der Schule hinausgehen, müssen Zeit und Raum gezielt im Konzept der Schulwoche freigehalten werden. Aufenthalts- und Betreuungsbereiche sind nötig, um freie Zeit auszufüllen. Hier haben sich Lehrkräfte, Eltern und Schüler auf den Weg gemacht, um für die kommenden Jahre Lösungen zu finden, die das Arbeiten und Leben auf dem Andreanum auch künftig atmosphärisch angenehm und persönlich gewinnbringend gestalten sollen. Die Neugestaltung der Eingangshalle als Aufenthaltsbereich und der Bibliotheksneubau sind wichtige sichtbare Schritte in diese Richtung. Auch so wenig spektakuläre Maßnahmen wie Sonnenschutz in den Klassenräumen und Doppelverglasungen in den Fluren dienen in einem sehr konkreten Sinn dem „Klima“ in der Schule. Gegenwärtig wird ein Konzept für die Gestaltung der Schulwoche einschließlich einer längeren Mittagspause entwickelt, das man durchaus als einen „offenen Ganztagsbetrieb“ bezeichnen kann, dessen Anforderungen das Andreanum bereits jetzt im Bereich des Angebots von außerunterrichtlichen Aktivitäten wohl ohne Schwierigkeiten erfüllen könnte. Für die Mittagspause müssen gegenwärtig Möglichlichkeiten des Baus einer Mensa geprüft werden.
Die Entwicklung der Schule scheint in dieser Phase von organisatorischen und bautechnischen Entscheidungen geprägt zu sein. Richtig ist aber, dass alle diese Veränderungen von den die Schule tragenden Menschen umgesetzt und mit Leben erfüllt werden müssen. Sowohl für Lehrerinnen und Lehrer als auch für Schülerinnen und Schüler und die Eltern, die sie unterstützen, wird das Arbeiten und Leben im Zeichen einer verkürzten Schulzeit nicht einfacher werden. Es wird noch wichtiger werden, Verständnis für die Belastungen der jeweils anderen Gruppen zu entwickeln, nicht Verantwortung zuzuweisen, sondern einer des anderen Last mit den eigenen Möglichkeiten mitzutragen. Vielleicht gelingt es uns auch von Zeit zu Zeit, den entlastenden Zuspruch des Evangeliums in unserer Situation neu zu entdecken und zu leben.
Hartmut Schulz
Das Andreanum durchlebt momentan aufgrund des Wechsels in der schulpolitischen Landschaft Veränderungen, wie es sie in den vergangenen 20 Jahren nicht mehr gegeben hat. Schulzeitverkürzung mit den einhergehenden Umstrukturierungen in Ober- und Mittelstufe, Abschaffung der Orientierungsstufe, Einführung des Zentralabiturs, Einführung neuer Stundentafeln, zentrale Prüfungen im zehnten Jahrgang und zunehmende Verlagerung des Unterrichts auf den Nachmittag: Wir sind direkt oder indirekt betroffen und bestrebt, das spezifische Profil der Schule zu wahren, die besonderen Freiheiten einer Schule in freier Trägerschaft auch weiterhin zu nutzen und für die Grundschüler attraktiv zu bleiben.
In der Mittelstufe erlebt das Sprachenangebot die größten Umwälzungen. Zu den Konsequenzen gehören die Vorverlegung des Beginns der zweiten und dritten Fremdsprache sowie Ausweitung des Wahlpflichtangebots parallel zur dritten Sprache. Das bedeutet konkret:
Diese Notwendigkeit hat sich ergeben, um auch denjenigen Schülern eine Perspektive an unserer Schule zu eröffnen, deren Fähigkeiten schwerpunktmäßig nicht bei den Sprachen liegen. Bei Elterngesprächen anlässlich der Anmeldungen hat sich zudem gezeigt, dass auch ein gutes Grundschulzeugnis noch keine sichere Prognose hinsichtlich der künftigen Schwerpunkte eines Kindes zulässt.
Die Fächer des mathematisch-naturwissenschaftlichen Aufgabenfeldes (Biologie, Chemie, Informatik, Mathematik, Physik) haben dazu ein vorläufiges Konzept erarbeitet. In der folgenden Übersicht sind die wichtigsten Merkmale des Schwerpunktfaches Naturwissenschaft zusammengefasst:
Zu den Inhalten zählen
Methodisch sollen die Aspekte Selbsttätigkeit, Gruppenarbeit, Schülerexperiment, Problemorientierung, Projektarbeit u.ä. stärker in den Unterricht einfließen.
Carsten Hennies

