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Klimaschutz erstreiten

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Der Schulträger

Brief an Eltern und Schüler*innen

Liebe Schülerinnen und Schüler, liebe Eltern,Wilkening

seit knapp vierzehn Tagen ist die Schule für den Unterricht geschlossen, aber es fühlt sich so an, als lebten wir schon seit längerer Zeit in diesem Zustand zwischen Schweben und Erstarren, der jenseits aller bisherigen Erfahrungen liegt und sicherlich noch einige Wochen andauern wird. Und obwohl - oder gerade weil - sich dieser Zustand so schwer fassen und beschreiben lässt, reißt der Informationsstrom der Worte nicht ab und bringen die zahlreichen Sondersendungen das Fernsehprogramm täglich durcheinander, so dass man bisweilen vom Corona-Virus nichts mehr sehen und hören will. Der Virus verrät uns aber viel über uns selbst.

 

 

 

 

 

 

 

Die Vorsichtsmaßnahmen und Ausgangsbeschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie treffen uns mitten in der Fastenzeit, in der freiwilliger Verzicht uns bewusst machen soll, welchen falschen Mustern wir folgen und in welchem materiellen Überfluss wir leben. Nun ist das Freiwillige - der Verzicht - zu einer Pflicht geworden und trifft uns in einem Lebensbereich, den wir beim Fasten gar nicht im Blick hatten und der existentiell für uns ist: unseren sozialen Kontakten. Begegnungen, Berührungen, Gemeinschaft - das alles war bisher Ziel unserer Sehnsüchte und bekommt nun etwas beinahe Verdächtiges und wird negativ besetzt. Auf der anderen Seite wird aus dieser existentiellen Not heraus an vielen Orten in unglaublich kreativer Weise eine Tugend gemacht: Nachbarn singen abends in gebührendem Abstand gemeinsam „Der Mond ist aufgegangen“, Schüler*innen schicken Briefe in Pflegeheime, in denen kein Besuch mehr empfangen werden darf, und Vereine und Betriebe, die unvermittelt beschäftigungslos geworden und z.T. selbst in wirtschaftliche Not geraten sind, erledigen Einkaufsgänge für Bedürftige oder unterstützen die Gemeinschaft durch die Umstellung ihrer Produktion. Aus offenen Fenstern werden die Menschen beklatscht, die jetzt wesentlich und wichtig sind für das Fortbestehen unseres übrig gebliebenen Alltags: Verkäufer*innen und Pflegekräfte, Briefträger*innen oder LKW-Fahrer*innen. Berufsgruppen, denen in der Vergangenheit vor allem gemeinsam war, dass ihnen die gesellschaftliche Anerkennung und Wertschätzung fehlte.

In diesen Bekundungen von Solidarität und in der Neubewertung von zu lange Übersehenem zeigt sich, dass jede Krise auch eine Chance bietet. Ich wünsche mir, dass hier neue Haltungen heranwachsen, welche die Krise nicht nur überdauern, sondern nachhaltig unseren Blick auf die Welt verändern, in der wir doch alle aufeinander angewiesen bleiben.

Die andere, angstbesetzte Seite lässt sich jedoch auch nicht übersehen. Sie zeigt sich, wenn Menschen Lebensmittel oder Hygieneartikel hamstern aus der Angst heraus, zu kurz kommen zu können und ohnmächtig einem unsichtbaren Feind - dem Corona-Virus - ausgeliefert zu sein. Sie zeigt sich in dem Geschäft mit der Angst, in überteuerten Preisen für Mundschutzmasken oder entsprechenden Fake-Seiten im Internet. Und sie zeigt sich in der höchsten Form der Entsolidarisierung, wenn aus Kliniken Schutzkleidung und Desinfektionsmittel gestohlen werden, die dort dringend benötigt werden.

An einer evangelischen Schule ist die Angst nicht unser Ratgeber und wir lassen uns nicht von ihr leiten. Wir wissen uns vielmehr getragen von einem lebendigen Gott und einer starken Schulgemeinde und übernehmen Verantwortung in der Welt. In diesem Klima entsteht Kreatives (z.B. der Fotowettbewerb oder die StayHome-Collagen der Lehrkräfte und der SV), werden Lösungen gefunden (in der Chemiefachgruppe werden Desinfektionsmittel zum Eigenverbrauch hergestellt, die Merkel-Rede findet ihr Schüler*innen als Quiz aufbereitet) und stehen wir für Antworten und Informationen jederzeit zur Verfügung, auch täglich in den nun beginnenden Osterferien.

Die Grenze zwischen Schulzeit und (Oster)Ferienbeginn ist in diesem Jahr kaum sichtbar, deshalb markiere ich sie an dieser Stelle noch einmal deutlich. Die „freiwilligen Aufgaben“ (das hat der Kultusminister heute noch einmal so formuliert), welche wir Lehrkräfte euch Schüler*innen über IServ angeboten haben, machen nun erst einmal Pause. Damit fällt auch eine Strukturierungshilfe für den Tag aus und unsere Angebote an euch für das Wiederholen, Üben und Vertiefen von Inhalten und Themen ruhen vorerst. Wenn es gravierende Probleme gibt, könnt ihr euch aber auch in den nächsten Wochen melden, die Schule ist an jedem Werktag in den Ferien besetzt. Das Kultusministerium hat unter der Adresse https://nibis.de/lernen-zu-hause---eine-ideensammlung_13560 zudem Materialien und Ideen eingestellt, die unmittelbar für Eltern und Schüler*innen als Anregung gedacht sind.

Mit unseren eigenen Aufgaben über IServ wollten wir Ihnen, liebe Eltern, Entlastung bieten und den Rücken freihalten. Das ist vielleicht nicht immer so gelungen, wie wir uns das gewünscht haben, weil die Koordination der Aufgaben oder ein sinnvoller Rücklauf schwer zu organisieren sind. Auch für uns ist diese Situation des Fernunterrichts neu und Absprachen lassen sich unter diesen Bedingungen nur schwer treffen oder entwickeln. Was wir uns von Ihnen in dieser Situation wünschen? Hören Sie Ihren Kindern zu, schauen Sie hin, begleiten Sie, sorgen Sie für Abwechslung - aber bieten Sie keinen Ersatzschultag an. Das ist weder die Idee, die hinter den Schulschließungen steckt, noch die Erwartung an die gemeinsame Zeit mit Ihren Kindern zu Hause. Ich gehe davon aus, dass das Kultusministerium in der Woche nach Ostern entscheiden wird, wie mit der ausgefallenen und der ggf. verbleibenden Lernzeit umzugehen ist und wie in diesem Schuljahr eine Leistungsbewertung erfolgen soll. Heute ist bereits die Aufforderung des Kulturministers ergangen, bis zum 15. April vorläufige Noten in den Unterrichtsfächern zu ermitteln und in der Schule zu dokumentieren. Eines ist dabei gewiss: Alle Entscheidungen aus dem Ministerium werden das Wohl Ihrer Kinder als zentrales Kriterium im Blick haben.

Im Blick haben: Wen verlieren wir beim Drehen um uns selbst aus dem Blick, beim Kauf der einen Nudelpackung mehr als sonst und bei der Sorge, das Handyladegerät könnte den Geist aufgeben? Die Menschen, die jetzt auf der Flucht sind oder in den Elendsvierteln der großen Städte auf der Südhalbkugel leben oder die in unserer Gesellschaft ohne Obdach sind. Zwei Meter Abstand, die wir beim Gang in den Supermarkt einhalten sollen, können diese Menschen nicht herstellen, ohne in der nächsten Hütte oder im nächsten Zelt zu landen - und während wir uns neu disziplinieren im Händewaschen, haben 40% der Menschen in der Welt keinen ausreichenden Zugang zu sauberem Trinkwasser, von einem funktionierenden Gesundheitssystem ganz zu schweigen. Unsere Stärke muss sein, dass wir bei aller Sorge um uns selbst und bei allen unbeantworteten Fragen diese Menschen sehen, die weitgehend schutzlos in der Welt und damit unsere Nächsten sind. Auch ihnen müssen wir jetzt wirksam beistehen. Es reicht, wenn jeder und jede von uns in dieser „ausgeschalteten“ Zeit zu Hause eine gute Idee hat und diese in die Tat umsetzt.

Erste Ostereier sind an den Sträuchern in den Gärten zu sehen und erinnern an die Nähe der Auferstehungsbotschaft. Unser Bewusstsein für diese Botschaft wird in diesem Jahr besonders ausgeprägt und wach sein, da bin ich sicher.

Mit herzlichen Grüßen - bleiben Sie behütet!


Dirk Wilkening, Schulleiter