Er war immer nah bei den Menschen

LaSup Meyer RoscherEhemaliger Landessuperintendent Meyer-Roscher stirbt mit 84 Jahren / Trauerfeier am Samstag

Von Christian Harborth

HILDESHEIM. Wer das Glück hatte, den früheren Landessuperintendenten Walter Meyer-Roscher während seiner letzten Lebensjahre zu treffen, sah sich bis zum Schluss einem interessierten, dem Neuen aufgeschlossenen und geistreich plaudernden Itzumer gegenüber. „MeyRo“, wie ihn viele nannten, war tief in religiösen Fragen verwurzelt. Aber er beherrschte es darüber hinaus wie kein Zweiter, mit den Menschen auf der Straße zu plaudern.

Am Montag ist diese Stimme verstummt. Meyer-Roscher starb im Alter von 84 Jahren. Die Trauerfeier ist für Samstag, 15. Februar, ab 10.30 Uhr in der Michaeliskirche geplant, die Beisetzung anschließend im engsten Familien- und Freundeskreis.

Der Theologe stand von 1991 bis zu seiner Pensionierung 1999 als leitender Geistlicher an der Spitze des damaligen Sprengels Hildesheim. Zuvor war Meyer-Roscher Pastor in Hildesheim und später Oberlandeskirchenrat im Landeskirchenamt der Landeskirche Hannovers.

 

Für viele war er aber vor allem der Wegbereiter für Hildesheims Ökumene. Und zwar schon 1965, als er den für diese Zeit ungewöhnlichen Schritt wagte, die Glocken der evangelischen Andreaskirche spontan für eine katholische Trauer- prozession läuten zu lassen. Das hätte auch nach hinten losgehen können. Tat es aber nicht. Stattdessen stieß es ein Verbindungstor zur katholischen Kirche auf. Schon bald nach diesem Ereignis gab es die ers- ten Treffen zwischen Vertretern der katholischen und der evangelischen Kirche. Hildesheims Ökumene war geboren.

Sein Nachfolger im Amt des Landessuperintendenten, der heutige Regionalbischof Eckhard Gorka, würdigt Meyer-Roscher als „hoch geschätzten Prediger und Gesprächspartner“. „Unsere Landeskirche hat Walter Meyer-Roscher viel zu verdanken.“  In seiner Zeit als Pastor in Hildesheim habe er sich zudem besonders um die Aussöhnung mit britischen Glaubensgeschwistern verdient gemacht. Während seiner Zeit im Landeskirchenamt habe er sich vielfältig in der evangelischen Entwicklungsarbeit engagiert.

Meyer-Roscher wurde 1935 als Pastorensohn in Hoheneggelsen bei Hildesheim geboren. Sein Vater Hans wurde hier später Superintendent – eine Tatsache, die Jahrzehnte später zu einigen Verwechslungen führte. Verwechslungen, die ein Mann wie Walter Meyer-Roscher mit dem ganzen Gewicht seines damaligen Amtes zur Seite wischte.

Nach dem Abitur am Andreanum in Hildesheim studierte er in Bielefeld-Bethel, Heidelberg und Göttingen Evangelische Theologie und war anschließend Vikar in Syke bei Bremen. Nach seiner Ordination war er ab 1962 Pastor in der St.-And- reas-Kirchengemeinde in Hildesheim. Auf Initiative von Meyer-Roscher nahm als Zeichen der Aussöhnung auch eine Delegation aus London an den Feierlichkeiten teil. 1970 folgte der Wechsel in die Funktion des Schulpastors in Hildesheim. Hier war er auch an der Ausbildung von Religionslehrkräften beteiligt und unterrichtete an mehreren Hildesheimer Schulen. Nach seiner Pensionierung 1999 war er unter anderem 16 Jahre lang Vorsitzender des Vereins der Freunde der Diakonie Himmelsthür und  Kuratoriumsmitglied der Hildesheimer Blindenmission. Walter Meyer-Roscher war verheiratet und hatte zwei Kinder. „Mein Sohn hat auch schon keine Haare mehr“, witzelte er noch kurz vor seinem 80. Geburtstag in seinem Itzumer Garten. Diesen Humor werden viele vermissen.

Text und Foto: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 12.02.2020