Wie Telemanns Musik nach Hildesheim kam

Porträt Telemann
Die Schulzeit am Andreanum führt den jungen Magdeburger zu ersten Kompositionen /

 

Herausragend: die Musik zu einer „Singenden Geographie“

 
Von Birgit Jürgens

 

Hildesheim. Um Gottes willen! Der Junge beschäftigt sich mit Musik – und dabei soll er doch was Anständiges lernen! Dass ihr Sohn so große Freude an der Kunst der Töne findet, beunruhigt die verwitwete Mutter Georg Philipp Telemanns schon sehr früh.

 

Denn dem talentierten Autodidakten ist bereits in seiner Geburtsstadt Magdeburg die Musik sehr ans Herz gewachsen. Aber das möchte wohl niemand, also kommen auch die Warner und Mahner.

 

„Die Musikfreunde kamen mit Scharen zu meiner Mutter und stellten ihr vor: Ich würde ein Gaukler, Seiltänzer, Murmeltierführer etc. werden, wenn mir die Musik nicht entzogen würde. Gesagt, getan! Mir wurden Noten, Instrumente und mit ihnen das halbe Leben genommen“, schreibt der 13-jährige Telemann.

 

 

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Und Telemanns Mutter? Die will natürlich nur das Vernünftigste für ihren Sohn und schickt ihn kurzerhand 1694 von Magdeburg nach Zellerfeld zur Lateinschule. Doch auch im Oberharz kann Telemann zu seinem großen Glück weiter komponieren und musizieren.

 

Als Telemann als 16-Jähriger schließlich seine Koffer packt, um am Andreanum in den Jahren 1697 bis 1701 seine Schulzeit zu beenden, kann der Autodidakt seine Kenntnisse auch dank des Andreanum-Direktors Johann Christoph Losius weiter vertiefen. Und auch der kirchenmusikalische Direktor der Stadt, der Jesuiten-Pater Crispus vom St.-Godehardi-Kloster, fördert die Talente des jungen Musikers und überträgt ihm Kompositionsaufträge für Gottesdienste.

 

Und damit kommt Telemanns Musik nach Hildesheim und blüht auch in origineller Weise bunt auf. Denn der junge Tonsetzer schafft neben kirchenmusikalischen Aufträgen die Musik zu einer „Singenden Geographie,“ deren Texte vom Andreanum-Direktor Losius stammen.

Die mitunter trockenen, aber auch fantasievollen Stoffe des Lehrbuchs sind in den wichtigsten Inhalten zu Liedtexten gereimt. Eine Vorbereitung, wie die Reise rund um die Welt zu lernen ist, kann man genauso nachlesen und mitklingen lassen wie Amerika- oder Europabilder und selbstverständlich auch ein Hildesheim-Lied. Das lokale Stück kommt allerdings in Reimen und Musik etwas dröge daher und soll in erster Linie beim Auswendiglernen der kleineren Städtchen und Ämter des Stifts Hildesheim helfen.

Die Lieder der „Singenden Geographie“ werden am 30. Oktober 1708 in Hildesheim uraufgeführt. Mehr als 250 Jahre vergehen, bis 1961 beim Niedersachsentag des Niedersächsischen Heimatbundes in Hannover Werkausschnitte aufgeführt werden. 1984 erscheinen Teile des Werks auf Schallplatte.

Der Name Telemann hält sich bis heute in Hildesheim: der Telemannsaal des Gymnasiums Andreanum erinnert genauso wie die Telemannstraße in Hildesheim an den berühmten Andreaner, dessen Musik auch mit den Liedern der „Singenden Geographie“ nach Hildesheim kam. Und Telemanns Mutter? Die dürfte letztliche wohl nichts bereut haben.

 

Informationen zu Telemanns Lebensstationen gibt es u.a. hier bei Wikipedia.

 

Text und Foto: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 22.04.2020