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Endlich geschafft - ab dem 18.12.2020 darf sich das Andreanum offiziell 'Fairtrade School' nennen. Ein positiver Abschluss für das Jahr. Eine digitale Feier soll im Frühjahr stattfinden, seid gespannt!

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Hildesheimerin kämpft um begehrten Literaturpreis

Lisa Krusche BachmannpreisVon Ralf Neite

Die gebürtige Hildesheimerin Lisa Krusche ist vom Mittwoch an zum renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis eingeladen. Eine emotionale Berg und Talfahrt

Hildesheim - „Langsam habe ich das Gefühl, mich Schriftstellerin nennen zu können“, sagt Lisa Krusche. Es läuft gut für die gebürtige Hildesheimerin. Erst ein Verlagsvertrag; ihr Debüt-Roman wird im kommenden Frühjahr erscheinen. Und nun die Einladung zum Ingeborg-Bachmann-Preis. Der Literatur-Wettbewerb, einer der wichtigsten im deutschsprachigen Raum, wird am Mittwochabend eröffnet. Lisa Krusche ist dabei. 

Das Ganze war allerdings eine emotionale Berg- und Talfahrt. Die 29-Jährige hatte sich bei Klaus Kastberger beworben, einem der sieben Jurymitglieder. Jedes Jurymitglied darf zwei Autoren oder Autorinnen auswählen – Kastberger entschied sich für Lisa Krusche. Die freute sich “tierisch“, aber dann kam die nächste Meldung aus dem österreichischen Klagenfurth: Wegen Corona wurde die Veranstaltung komplett abgesagt.

Jury protestiert
Eine Entscheidung, gegen die die Jury sofort Protest einlegte. Und so wird der Preis nun doch vergeben, wenn auch unter größtmöglicher Einhaltung der Abstandsregeln: als reines Online-Ereignis. Die Autoren und Autorinnen nehmen ihre Lesungen zu Hause auf, auch die Jurymitglieder fahren nicht nach Klagenfurt, sondern diskutieren per Onlinestream im Netz. 3sat und Deutschlandfunk übertragen zudem live im Fernsehen und im Radio.

Lisa Krusche kennt den Betrieb in Klagenfurt, sie war im vorigen Jahr schon einmal dort – da allerdings noch im sogenannten „Häschen-Kurs“, der Schreibwerkstatt für den Nachwuchs. „Es ist trubelig, aber es hatte auch so ein Klassenfahrtsfeeling“, beschreibt sie die Atmosphäre. Im Festivalcafé kann man es sich auf Liegestühlen bequem machen und dabei mit den Lektorinnen und Lektoren ins Gespräch kommen, die viele Verlage dorthin senden. 


Aufzeichnung im LOT-Theater
Normalerweise läuft es beim Bachmann-Preis so ab, dass die Teilnehmenden ihre Texte live der Jury vorlesen. Dieser Teil ist diesmal schon gelaufen. Lisa Krusche, die in Braunschweig wohnt, bekam Besuch von einem 3sat-Kamerateam. Im LOT-Theater wurde sie gefilmt, während sie ihren Wettbewerbstext las. „Das war voll lustig und entspannt“, berichtet sie. „Ich habe tatsächlich nur einmal gelesen.“

Die Aufzeichnung wird im Stream und Fernsehen gezeigt, ebenso wie die Jurydiskussion darüber. Wann, entscheidet sich bei der Eröffnung am Dienstagabend. „Das war die viel Autor*innen-freundlichere Variante“, sagt Krusche (die Gender-Pause spricht sie mit) über die Session im LOT-Theater – im Vergleich zum Stress, der Jury persönlich gegenüber zu sitzen.

Schulzeit am Andreanum
Schon seit ihrer Schulzeit am Andreanum widmet sich Lisa Krusche dem Schreiben. Ihre erste Veröffentlichung als Schülerin war ein Buchtipp in der HAZ bei einer Aktion der Stadtbibliothek. Inzwischen ist sie gelegentlich als freie Mitarbeiterin der Kulturredaktion aktiv. Studiert hat sie Germanistik und Kunstwissenschaft an der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig, „eine intuitive Entscheidung“. Schon während des Studiums begann sie, PR- und Kommunikationsjobs in diversen Firmen anzunehmen, unter anderem bei Financial Services in Braunschweig und in der Wolfsburger VW-Auto-Uni. 


„2019 wurde es richtig cool“
„Ich habe aber immer auch meine eigenen Texte geschrieben“, erzählt Lisa Krusche – für Literaturzeitschriften, als Bewerbungen für Stipendien und Preise. „Ende 2018 hatte ich das Gefühl, dass es an Fahrt aufgenommen hat. Und 2019 wurde es richtig cool.“

Los ging es mit einem Stipendium in Tirol. Für sechs Wochen war sie Stadtschreiberin in Hall. Unter anderem verfasste Krusche Prosa-Miniaturen über die Stadt für einen Instagram-Account. „Man ist aus seinem Kontext rausgenommen und kann sich ganz auf das Schreiben konzentrieren“, sagt sie über ihre Erfahrungen als Stadtschreiberin. Es folgten erste Kontakte zum S.-Fischer-Verlag, die Teilnahme am Häschen-Kurs in Klagenfurt und am Open Mike in Berlin, dazu ein Radio-Essay-Preis der Literaturzeitschrift Edit.

Feministischer Text
Und nun der Bachmann-Wettbewerb. „Ich wollte auf keinen Fall einen Auszug aus meinem Roman einschicken“, sagt sie. Der ist noch in Arbeit, „und es besteht ja die Möglichkeit, von der Jury einen totalen Verriss zu kriegen.“ Danach weiterzuschreiben, wäre ihr womöglich schwer gefallen. 

Stattdessen versucht sie ihr Glück nun mit einer Kurzgeschichte, die sich dem Widerstand von Frauen gegen das Patriarchat widmet. „Es ist auf jeden Fall ein feministischer Text“, so Krusche. Die utopische Geschichte spielt alternative Lebensformen durch. Der Titel „Für bestimmte Welten kämpfen und gegen andere“ ist ein Zitat der US-Wissenschaftlerin Donna Haraway, die ebenfalls in diesem Themenfeld unterwegs ist. In Klagenfurt kämpft Lisa Krusche damit auch für sich selbst.

 

3sat berichtet ab Donnerstag täglich von 10 bis 15 Uhr. Der Livestream findet sich im Netz.

 

Text und Foto: Archiv der Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 16.06.2020