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Endlich geschafft - ab dem 18.12.2020 darf sich das Andreanum offiziell 'Fairtrade School' nennen. Ein positiver Abschluss für das Jahr. Eine digitale Feier soll im Frühjahr stattfinden, seid gespannt!

Der Schulträger

„Blanke Wut“, aber auch „Verständnis“

SC HIAZ Artikel 15.12.20 Corona Andreanum

 

Die Reaktionen auf den gekippten Präsenzunterricht an den Schulen im Landkreis Hildesheim fallen unterschiedlich aus

 

von Christian Harborth und Ulrike Kohrs

Wut, Unverständnis und jede Menge Verunsicherung: Die Entscheidung von Bund und Ländern, den Präsenzunterricht schon von Montag an zu kippen und den Eltern freizustellen, ob ihre Kinder die letzten Tage vor den Ferien in den eigenen vier Wänden lernen dürfen, macht viele Schüler, Eltern und Lehrer fassungslos. "Als am Sonntag die Entscheidung fiel, hat mich die blanke Wut gepackt“, sagt Dirk Wilkening, Schulleiter des Gymnasiums Andreanum.Er habe noch nicht einmal alle Befreiungsanträge für Donnerstag und Freitag abgearbeitet, da seien schon die ersten für Montag und Dienstag eingetrudelt. Wilkening spricht von lauter „Parallelsystemen“, die nacheinander eingeführt würden. Und jedes Mal zu viel Unklarheit führten. „Und die geht meistens ganz klar zu Lasten der Eltern“, sagt Wilkening. Am Andreanum sei am Montag nur noch etwa ein Viertel der Mädchen und Jungen zum Präsenzunterricht gekommen.

Auch wenn kaum ein Schulleiter oder Lehrer so drastische Worte wählt wie der Leiter des evangelischen Gymnasiums ist klar: Die Verunsicherung rund um die Schulen im Kreis Hildesheim ist groß. Zwischen 300 und 400 E-Mails von Eltern seien allein am Sonntag an die Adresse des Gymnasiums Himmelsthür abgeschickt worden, berichtet der dortige Leiter Andreas Kruse. Die drängendsten habe er noch am Sonntag beantwortet. Rund 350 Familien hätten ihre Kinder abgemeldet. Das alles zu organisieren bringe die Landkreis-Schule und ihre Mitarbeiter durchaus an ihre Grenzen. „Schön ist anders“, sagt Kruse.

Noch deutlichere Worte findet Florian Reetz, Vorsitzender des Landesschülerrats. „Die Inkonsequenz der Landesregierung und des Kultusministeriums gefährdet nicht nur das Weihnachtsfest, sondern auch den Grundsatz guter Bildung: Stabilität und Planbarkeit.“ Trotz der schwierigen Infektionslage sei eine weitsichtigere Planung möglich gewesen, glaubt Reetz. Es habe schon vor Wochen flächendeckend das Szenario B verhängt werden müssen. „Dass nun spontane, unausgereifte Lösungen angewandt werden müssen, hat die Landesregierung zu verantworten.“

Aber es gibt auch Schulen, an denen es vergleichsweise entspannt zugeht. Melanie Mademann, Leiterin der Renatschule in Ochtersum, hat keine „chaotischen Zustände“ ausgemacht. Es gebe sehr wenige Abmeldungen, viel Zeit investiere die Schule darauf, die Eltern jetzt zu beraten, wie sie sich verhalten sollen.

Ähnlich geräuschlos läuft es an der Richard von Weizsäcker-Schule in Ottbergen. Von den insgesamt rund 330 Schülern kam am Montag nur noch etwa die Hälfte zum Unterricht in die Schule. Die andere Hälfte war abgemeldet, büffelte am heimischen PC. „Und ich gehe fest davon aus, dass es ab Mittwoch noch deutlich mehr werden“, sagt Susanne Meyer, Leiterin der Oberschule. Sie hat in einem Brief an die Familien dazu aufgerufen, die Mädchen und Jungen nicht mehr zum Unterricht im Klassenzimmer zu schicken. Das Verständnis der Eltern sei groß.

Auch Christian Schwarze hat sich mit einem entsprechenden Appell an die Eltern gewandt. Die Schule bleibe zwar offen, doch wirklich nur für diejenigen, für die das Distanzlernen nicht möglich sei. „Die Lehrer werden auch ab Mittwoch weiterhin alle vor Ort sein“, sagt der Leiter der KGS in Gronau. Sie würden parallel die Schüler zuhause und die hoffentlich sehr wenigen, die dennoch in den Klassenzimmern sitzen, mit Lernstoff versorgen.

Dass in Niedersachsen keine einheitliche Schulschließung beschlossen wurde, sondern hier stattdessen an der Aufhebung der Schulpflicht festgehalten und lediglich appelliert werde, die Kinder nicht zur Schule zu schicken, verunsichere viele Eltern, weiß der KGS-Leiter. Auch er hätte sich eine klare Ansage gewünscht, sagt Schwarze. Er habe gehofft, dass Niedersachsen ebenfalls ab Mittwoch alle Schulen schließt.

 

Text und Foto: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 15.12.2020