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Endlich geschafft - ab dem 18.12.2020 darf sich das Andreanum offiziell 'Fairtrade School' nennen. Ein positiver Abschluss für das Jahr. Eine digitale Feier soll im Frühjahr stattfinden, seid gespannt!

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Junger Erfolg auf allen Ebenen - und ein Ticket nach China

Gesamtfoto jugend forscht
Junger Erfolg auf allen Ebenen

Am Mittwoch beginnt die neue Regionalrunde „Jugend forscht“ – die inzwischen 25. Aber was ist aus Siegern von einst geworden? Die HAZ hat einige Biografien nachverfolgt.

Von Marita Zimmerhof

Jubiläum bei „Jugend forscht“ in Hildesheim. Eigentlich hatten die Akteure rund um Deutschlands größten mathematisch-naturwissenschaftlichen Wettbewerb dieses Jubiläum groß feiern wollen: Mit Dutzenden von Jungforschern bei der Präsentation in der Halle 39, mit Hunderten von Besuchern aus Schulen, Unterstützerfirmen und interessierten Besuchern. Dagegen steht: Corona.

 

Erstmals wird der Regionalwettbewerb deshalb vom 10. bis 12. Februar digital ausgetragen: mit voll vernetzten Juroren im Roemer- und Pelizaeus-Museum – und jungen Forschern irgendwo im Homeoffice. Aber eigentlich passt dieser unfreiwillige Umbruch ja sogar ganz gut: „Jugend forscht“ lebt von Veränderung, von Herausforderung, vom Mut zu neuen Wegen und unkonventionellem Denken.

Anfangs mussten die Hildesheimer noch in Hannover antreten. Doch mit den Jahren stellten sie mehr Jungforscher als die Landeshauptstadt selbst. Und legten damit den Grundstein für eine Regionalrunde, die nicht nur immer auffallend viele Projekte an den Start geholt, sondern in wunderbarer Regelmäßigkeit auch Landes- und Bundessieger hervorgebracht hat.

Dieser Erfolg hat viele Väter: Ohne Dr. Dietrich Hase, Lehrer in Hildesheim und seit 1983 Landeswettbewerbsleiter, hätte es den Regionalwettbewerb wohl kaum gegeben. Bald erkannte auch Stadtdirektor Walter Hoffmann das Potential einer solchen Veranstaltung, Getränkeabfüller Coca Cola übernahm die Patenschaft, stellte Räume und Verpflegung. Und mit Regionalleiter Dieter Kubisch hätte Hildesheim keinen engagierteren Organisator finden können. Inzwischen ist Daniel Kahle in seine Fußstapfen getreten. Und Pate ist inzwischen Matthias Ullrich mit seiner HI-Reg.

Die wenigsten Schüler wagen allerdings von sich aus den Schritt ins Rampenlicht, die meisten brauchen einen Anstoß, eine Ermutigung. Deshalb ist „Jugend forscht“ immer nur so gut wie die Betreuungslehrer an den Schulen. Allen voran stehen dafür Dr. Otto May vom Scharnhorst-Gymnasium und Wolfgang Lipps im Schulzentrum Harsum. Arndt Latußeck, selbst erfolgreicher Jugend-forscht-Teilnehmer, hat als Lehrer am Josephinum nun schon mehrere seiner Schüler ganz weit nach vorn gebracht. Betreuungslehrerin Kristina Peter von der Grundschule Lühnde ermunterte einmal sogar die halbe Jahrgangsstufe zum Mitmachen: Im Schnitt waren die Kinder neun Jahre alt – und hatten mit ihren netten kleinen Projekten einen Mordsspaß.

Es gibt aber auch Teilnehmer, die beim ersten Mal so blass und schüchtern sind, dass man als Besucher kaum wagt, sie anzusprechen. Doch viele, die sich einmal getraut haben, machen weiter. Und entwickeln sich von Runde zu Runde zu selbstbewussteren jungen Leuten, die mit Überzeugungskraft ihre Arbeit vertreten. Schon allein dieser Erfolg rechtfertigte den Wettbewerb. Für einige aber hat er die Weichen gestellt für ein ganzes Leben. 

 

Leichte Kisten bahnen ihr den Weg in die Psychologie

 

Svea Marie Meyer heuteSind leichte Kisten wirklich leicht? Svea Marie Meyer und ihr Mitschüler Lukas Oelkers waren gerade 12 und 13 Jahre alt, als sie 2010 für „Schüler experimentieren“ untersuchten, wie sehr wir uns von Äußerlichkeiten beeinflussen lassen: Tatsächlich erschien den Mitschülern, die als Probanden antreten mussten, eine rote Kiste schwerer als eine gelbe, kleine leichter als große, Kisten mit der Aufschrift „Vorsicht leicht!“ schwerer, als sie tatsächlich waren.

Das Duo wurde mit dieser originellen Idee auf Anhieb Regionalsieger und durfte zum Landeswettbewerb reisen. „Was mich mächtig beeindruckt und auch weiter motiviert hat“, sagt Svea Marie Meyer heute. Tatsächlich sollte die Andreanerin in den folgenden sechs Jahren allein oder mit Mitschülern sieben Projekte vorstellen, damit fünf Mal Regionalsiegerin und zwei Mal Landessiegerin werden.

Ihre größte Auszeichnung aber war wohl der Sonderpreis beim Bundeswettbewerb 2013 in Leverkusen: Die Hildesheimerin bekam eine Fahrkarte zum „China Adolescents Sciene and Technology Innovation Contest“, kurz Castic, im chinesischen Nanjing, wo sie prompt den zweiten Platz belegte. „Damals war ich 16 Jahre alt und ziemlich aufgeregt. Aber es war ein tolles Erlebnis.“

In fast allen ihren Projekten ging es um menschliches Erleben und Verhalten. Was lag da also näher, als nach dem Abitur ein Psychologie-Studium zu beginnen?! „Vieles, was in den ersten Semestern gelehrt wurde, hatte ich durch meine Projekte schon praktisch angewendet.“ Vor allem die von vielen Studenten gefürchtete Statistik ging der Neu-Münchnerin flüssig von der Hand. Die meisten Verfahren und Tests hatte sie für ihre Daten ja längst genutzt.

So hatte sie untersucht, wie schnell Eiswürfel in warmem Wasser schmelzen, die wichtig die Reihenfolge von Buchstaben für das Leseverständnis ist, wie zuverlässig Zeugenaussagen wirklich sind, wie Inklusion Prüfungsstress mindern kann oder Sprache durch Alter und Geschlecht bestimmt wird. „Durch meine Teilnahme an den Wettbewerben habe ich sehr viel gelernt“, sagt Meyer rückblickend. „Etwa auf andere Menschen zuzugehen, als ich zum Beispiel mit 15 Jahren an der Uni gefragt habe, ob ich Experimente mit dem Eyetracker machen könnte. Durch den Wettbewerb in China wurde mir erstmals wirklich bewusst, wie wichtig Englisch für eine wissenschaftliche Karriere ist.“

„Jugend forscht“ wurde für sie aber auch zum Türöffner: Nach ihrer Teilnahme am Bundeswettbewerb wurde sie für ein Stipendium der Studienstiftung des Deutschen Volkes vorgeschlagen, das ihr wiederum ein Praktikum in Südafrika, ein Auslandssemester im französischen Nantes und ein Forschungspraktikum an der University of British Columbia im kanadischen Vancouver ermöglichte, wo sie dann auch ihre Bachelorarbeit schrieb.

Inzwischen arbeitet Svea Marie Meyer wieder forschungsorientiert, studiert an der TU München in einem komplett englischsprachigem Elite-Studiengang Neuroengineering: Gerade forscht sie zu Brain-Computer Interfaces und arbeitet an einem Projekt, wie Querschnittsgelähmte nur mit der Kraft ihrer Gedanken externe Geräte steuern können. Ach ja: Und bei „Jugend forscht“ ist sie seit einem Jahr auch wieder – nun als Jurorin. „Ich kann jedem nur raten: Einfach mal mitmachen. Es bringt Spaß und man lernt viele nette Menschen kennen.“

 

Text und Fotos: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 09.02.2021