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Endlich geschafft - ab dem 18.12.2020 darf sich das Andreanum offiziell 'Fairtrade School' nennen. Ein positiver Abschluss für das Jahr. Eine digitale Feier soll im Frühjahr stattfinden, seid gespannt!

Der Schulträger

Andreanum kippt nach 800 Jahren die Latein-Pflicht

Als letzte Schule im Raum Hildesheim und eine der letzten in Niedersachsen beendet das Gymnasium den verpflichtenden Latein-Unterricht / Wählen kann man ihn trotzdem weiterhin

Ende der Lateinpflicht Juli 2021Von Christian Harborth

„Gallia est omnis divisa in partes tres“: Fast 800 Jahre haben sich Schülerinnen und Schüler des Hildesheimer Gymnasiums Andreanum verpflichtend mit Cäsars Bericht über den Gallischen Krieg (De bello Gallico) auseinandergesetzt. Als letzte Schule in Stadt und Landkreis – und wohl auch eine der letzten in ganz Niedersachsen – hat das Gymnasium vom Hagentorwall den verpflichtenden Lateinunterricht jetzt aber eingestellt. Zum neuen Schuljahr können die Eltern der neuen Fünftklässler nun selbst entscheiden, ob ihre Sprösslinge gleich zu Beginn in Klasse 5 Latein büffeln oder doch lieber ein Jahr später zwischen Latein und Französisch entscheiden wollen.

„Unsere zentrale Leitfrage war: Warum sollte man Kinder dazu verpflichten, Latein lernen zu müssen, wenn diese ganz andere Talente haben“, sagt Schulleiter Dirk Wilkening. Das Andreanum sei keine Schule mit Bestandsrecht für Unterrichtsfächer, sondern eine Schule für Schülerinnen und Schüler. Und wenn die mehr Interesse an anderen Sprachen hätten, sollte sich das Andreanum dem nicht verschließen.

Trotzdem wisse das Gymnasium um die Zukunftsfähigkeit und den Wert sowie die Traditionslinie der altsprachlichen Fächer Latein und Griechisch. „Deshalb haben unsere Schülerinnen und Schüler auch weiterhin die Möglichkeit, in Jahrgang 5 die Latein-Klasse zu wählen oder das Wahlpflichtangebot Griechisch in Jahrgang 8 zu nutzen“, sagt Wilkening. „Das unterscheidet uns auch zukünftig von anderen Schulen.“

Aus Sicht der Lateinlehrer sei es schon schade, dass das Andreanum die bisherige Profilierung aufgebe, sagt Maria Lühken, die selbst am Andreanum unterrichtet und am Studienseminar Hildesheim auch Lateinlehrer ausbildet. „Aber andererseits wird Latein ja nicht auf einen Schlag bei uns abgeschafft.“ Sie selbst kennt nur eine einzige Schule in Niedersachsen, die noch am verpflichtenden Lateinunterricht festhält: das Kaiser-Wilhelm- und Ratsgymnasium in Hannover. Alle anderen hätten sich nach und nach davon verabschiedet.

Negativ müsse das aber nicht sein, findet Lühken. War Latein früher von Anfang an gesetzt, könne man es jetzt wie an anderen Gymnasien und Gesamtschulen freiwillig wählen. In Jahrgang 5, 6 oder sogar erst später noch als dritte Fremdsprache.

Dass die Entscheidung des evangelischen Gymnasiums zu tun hat mit sinkenden Schülerzahlen im Fach Latein, kann Katja Sommer, Vorsitzende des Niedersächsischen Altphilologenverbands, nicht bestätigen. „Die Zahlen sind eigentlich relativ stabil“, sagt die Frau, die unter anderem Latein an der Helene-Lange-Schule in Hannover unterrichtet. In der Mittelstufe seien es etwa ein Drittel der Mädchen und Jungen, in Richtung Abitur würden sich viele Schüler aber verabschieden.

Sie selbst hält große Stücke auf das Fach Latein. Allein 10 000 Fremdwörter seien aus dem Lateinischen ins Deutsche übernommen worden. Die Sprache der alten Römer helfe zudem sehr dabei, die deutsche Sprache und ihre Satzkonstruktionen besser zu verstehen. Und sie vermittele darüber hinaus Wertvorstellungen, die auf den ersten Blick gar nicht ersichtlich seien. „In den alten Schriften kann man zum Beispiel über Frauen als Priesterinnen lesen – das ist heute auch nicht bei jeder Kirche üblich“, sagt Sommer. Sie hält es aus diesen Gründen für einen großen Gewinn, Latein zu lernen.

Text und Foto: Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 3.07.2021