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Der Schulträger

Rachegöttinnen auf dem Galgenberg

erinyen 2016Junge Hildesheimer Filmemacher erarbeiten 45-minütiges Projekt „Erinyen“ / Premiere am Sonntag im Thega-Filmpalast

Was ist Spiel? Was ist Realität? Manchmal verschwimmen die Übergänge. Einer, der das erlebt, ist der 16-jährige Felix. Der Jugendliche hat eine Einladung zu dem Computerspiel „Erinyen“ erhalten, einem Spiel mit strengen Regeln. Felix ist fasziniert. Erst spät begreift er, dass „Erinyen“ mehr als nur ein Spiel ist: Er bewegt sich zwischen Spiel und Realität auf dünnem Eis.

Zunächst zur Erklärung: Erinyen – eine andere Schreibweise lautet Erinnyen – mag der eine oder andere als Rachegöttinnen aus der griechische Mythologie kennen. In diesem Fall ist „Erinyen“der Titel eines 45-minütigen Films, der am Sonntag, 6. August, 12 Uhr, im Thega-Filmpalast Premiere hat.

Einfach mal so dreht niemand einen Film. Und allein geht das ohnehin nicht. Angefangen hat es 2011/12. Da hat Maximilian Wolter mit Johannes Rolf und Lennard Winkler ein Video gedreht. Es entwickelte sich die – wenn man so will – Firma MJ Studios, erste kleine Filme entstanden, die die Jungen ins Internet luden. Darin ging es um Jedi-Ritter, als Effekte fügten die drei etwa Explosionen ein. 2014 erschien die 25-minütige Actionkomödie „F.I.S – Der Film“. Die Komödie hat mit dem Bundesnachrichtendienst zu tun. Wenn Maximilian Wolter davon erzählt, kann es sich ein Lächeln nicht verkneifen. Denn die Darsteller waren 16 Jahre, spielten aber Agenten. „Das passte gar nicht“, so sieht es Maximilien Wolter heute.

erinyen 2 2016Nach weiteren Produktionen wollten sie Anfang 2015 „in die storymäßige Richtung“, wie sie erzählen. „Wir haben überlegt, hatten auch ein paar Ansätze, aber es fehlte das gewisse Etwas.“ Und es musste realistisch sein: 16-Jährige sollten 16-Jährige spielen. Inhaltlich dachten sie an Action und Fantasy. Das Schreiben des Drehbuchs übernahm Isabell Jäckel. Ihr Freund Maximilian Wolter hatte das Jugendbuch „Erebos“ von Ursula Poznanski gelesen, die Thematik des Buchs ist Basis für Drehbuch und Film. „Der Grundgedanke besteht darin, dass ein Computerspiel ins Leben von Jugendlichen eingreift. Durch Überwachung“, beschreibt Isabell Jäckel. Wie aber an Darsteller kommen? Immerhin waren mehr als 25 vonnöten. Auch fiel Wolter – der wie die anderen aus der Crew 18 Jahre alt ist und gerade das Abitur bestanden hat – etwas ein. Am Theater für Niedersachsen gibt es doch Jugendgruppen, in denen 16- bis 18-Jährige spielen ...

Drehorte waren Wälder bei Itzum und am Galgenberg, also in Gegenden, in denen auch das Computerspiel angesiedelt ist, um das es in dem Film geht. Für die Kostüme fanden die jungen Filmemacher Bekannte, die sich mit Mittelalter- Schaukampf beschäftigen. Vor dem Dreh hatten sie den Filmkomponisten Christoph Paul Börner getroffen, der die Musik für das Projekt schrieb. Der Sounddesigner Emil Morgenstern suchte etwas für seine Abschlussarbeit – da kam ihm „Erinyen“ gerade recht.

Maximilian Wolter übernahm Regie und die – geliehene – Profi-Kamera, Lennard Winkler die Co-Regie, außerdem arbeitete er mit den Darstellern, Johannes Rolf fungierte als ausführender Produzent und war zuständig für den 5.1. Surround Sound. Finanziert wurde das Projekt durch Crowdfunding. Es kamen 1600 Euro allein an Geld zusammen. Und da Kinochef Kar-Heinz Brinkmann gern dem cineastischen Nachwuchs hilft, steht der Premiere im Thega nun nichts mehr im Wege. Und das ist doch ein erfreulicher Teil der Realität.

Andreas Bode

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ], 04.08.2016