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Der Schulträger

„Einen Ball mehr in der Luft“

Foto Wilkening Februar 2018Angekommen? Dirk Wilkening ist seit einem Jahr Direktor des Andreanums

 

Von Christian Harborth

Hildesheim. Dirk Wilkening steht am Fenster seines Büros im Andreanum und schaut in den Liebesgrund hinab. Unten fällen Stadtmitarbeiter gerade einen großen Baum, dahinter rauscht der tägliche Berufsverkehr über die B 1. Noch weiter hinten taucht das Gebäude der Energieversorgung Hildesheim auf. Während der Dunkelheit kann der Schulleiter des evangelischen Gymnasiums an der Fassade den Schriftzug „Never sleep“ lesen, der noch von den Lichtungen übrig geblieben ist und seine Botschaft in knallroten Lettern in die Umgebung schickt. „Niemals schlafen.“ Auch wenn er selbst natürlich Schlaf braucht – diese künstlerische Botschaft gefällt dem Mann, der seit einem Jahr die Schule am Hagentorwall leitet.


Überhaupt hat er in den zurückliegenden zwölf Monaten viel Gefallen an seinem neuen Lebensmittelpunkt gefunden. So viel Inspiration und Kultur, so viel Bildung finde man in kaum einer anderen Stadt, glaubt er. Deshalb ist er nach Feierabend viel unterwegs. Geht etwa ins Theater oder zum Tanzen. Privat, das kann man so sagen, ist Wilkening also angekommen. Aber was ist mit seinem Beruf?

Achteinhalb Jahre war Wilkening stellvertretender Leiter der Hans-Ehrenberg- Schule in Bielefeld, ehe er nach Hildesheim kam. Auch das Bielefelder Gymnasium ist eine evangelische Schule. Aber macht es einen Unterschied ob man eine Schule leitet oder als Stellvertreter agiert?


Ganz sicher. In Hildesheim zum Beispiel müsse er viele Netzwerke berücksichtigen, evangelische wie nicht konfessionelle. „Dabei muss
man manchmal noch einen Ball mehr als sonst in der Luft halten“, deutet Wilkening lachend an. Manche Schwierigkeiten, vor denen Kollegen von ihm stehen, hat der schlanke Mann nicht zu schultern. Abordnungen von Gymnasiallehrern an Grundschulen zum Beispiel, die derzeit landesweit als Hilfe gegen den Pädagogennotstand eingesetzt werden, sind am Andreanum – wie an anderen nichtstaatlichen Schulen ebenfalls – kein Thema. „Aber wenn das Land sagen würde, auch die Ersatzschulen sollten sich beteiligen, hätte ich kein Problem damit“, sagt Wilkening, während draußen Schneeflocken am Fenster tanzen.


Der Winter hatte es zuletzt sehr kalt in seinem Büro werden lassen. „Teilweise saß ich hier bei zwölf Grad“, erzählt er. Doch inzwischen ist die Außenwand in seinem Rücken gedämmt. Die Wand hat auch neue Tapete und Farbe bekommen. Bisher ist sie noch leer, aber in einer Ecke stehen bereits drei knallbunte Bilder, die Schüler in einem Kunstkursus gemacht haben. Sie zeigen aufgeschnittene Kiwis, Orangen und Granatäpfel im Großformat. Am Anfang war Wilkening skeptisch, ob sie ins Schulleiterzimmer passen. Inzwischen ist er sicher: Sie werden sein Zimmer bereichern. „Manchmal muss man auch Farbe bekennen“, sagt er.

© Archiv Hildesheimer Allgemeine Zeitung [HAZ ],16.02.2018