„Wisst ihr, warum jedes Jahr am 22.März um 13.10 Uhr alle Glocken der Hildesheimer Kirchen läuten?“ – „Nun,  genau zu diesem Zeitpunkt fand der alliierte Bombenangriff auf Hildesheim statt, der zur Zerstörung der gesamten mittelalterlichen Innenstadt führte.“ Mit diesen Erläuterungen eröffnet Marten Brase, Auszubildender des Stadtarchivs, seine kurze Führung für die Schüler der 9E1 des Gymnasiums Andreanum.

Zusammen mit seinem Chef Prof. Dr. Schütz hat er im Rahmen seiner Ausbildung eine Ausstellung zur „Zerstörung Alt-Hildesheims am 22.3.1945“ erarbeitet. Diese Ausstellung ist zurzeit als Leihgabe des Stadtarchivs an das Gymnasium Andreanum vergeben. Mit zahlreichen Bild- und Textdokumenten, die teilweise in Form von Augenzeugenberichten über die damalige Situation um den 22.März berichten, und den kompetenten Erläuterungen Marten Brases zu den Exponaten werden so die Ereignisse vor 77 Jahren für die Schüler wieder lebendig.

Die Ausstellung zeigt unter anderem Bilder vom Besuch Hitlers in Hildesheim, dem Aufmarsch der nationalsozialistischen Jugendorganisationen, der Zerstörung der Synagoge und der Deportation der Hildesheimer Juden. Ferner beschäftigt sie sich mit Kriegsverbrechen, die noch in den letzten Kriegstagen nach der Zerstörung der Stadt begangen wurden und schließt mit dem Wiederaufbau nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Auf einem Luftbild der Ruinenlandschaft fordert Marten die Schüler:innen auf den heutigen Standort ihrer Schule zu finden, die ja erst später gebaut wurde.

Das Interesse der Schüler:innen gilt dabei nicht nur den Ereignissen um den 22.März, sondern auch der Arbeit des Stadtarchivs, die ihnen doch weitgehend unbekannt war. Gerade in Anbetracht der momentanen politischen Ereignisse ist es wichtig, dass möglichst viele Lerngruppen der Schule nicht nur die Exponate sehen sondern auch eine intensive Auseinandersetzung mit dem regionalgeschichtlichen Bezug zum Thema Krieg in Europa erfahren.