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Der Schulträger

Indien KIS

Unser neues Programm des internationalen Schüleraustausches
WENN SCHÜLER ÜBER DEN EIGENEN TELLERRAND BLICKEN

Frage:Was bringt Schülerinnen und Schüler aus Hildesheim und Leipzig nach Indien und Schülerinnen und Schüler aus Indien nach Hildesheim und Leipzig?
Antwort: .Unser neues Programm des internationalen Schüleraustausches.

Vor zirka einem Jahr besuchten uns an der Kodaikanal International School (KIS, dt.: internationale Schule von Kodaikanal) Vertreter des Gymnasiums Andreanum in Hildesheim und des Evangelischen Schulzentrums in Leipzig, um eine Partnerschaft zwischen diesen drei christlichen Lehranstalten aufzubauen. Mit Erfolg! – Nur wenige Monate nach dem Beschluss, einen Schüleraustausch zu starten, packten acht Schülerinnen und Schüler (vier in Deutschland und vier in Indien) ihre Koffer, um je für ein halbes Jahr in einem neuen Sprach- und Kulturkontext zu leben. Verena und Sarah kamen aus Hildesheim zu uns; Katharina und Wiebke aus Leipzig. Im Austausch gingen nach Hildesheim: Benjamin (USA) und Peter (Indien); nach Leipzig: Sa Rang (Korea) und Rohan (Indien).

 WIE HABEN DIESE JUNGEN MENSCHEN IHR SEMESTER IN DER FREMDE ERLEBT?

Zunächst: „Kulturschock“. Die deutschen Austauschschülerinnen und -schüler waren erschüttert vom Chaos der Menschenmassen, dem Elend und dem Dreck. „Die Armut hier in Indien kann man natürlich nicht mit der in Deutschland
vergleichen. Wer hier arm ist, dem kann kaum geholfen werden“, so Verena und Sarah in einem Brief an ihre Schule in Deutschland. Den von Indien nach Deutschland Gereisten fiel als erstes die deutsche Ordnungsliebe und Funktionalität auf: der Flughafen in Frankfurt, die Autobahn. Nicht so positiv war die Kälte, die ihnen als Fremden manchmal begegnete. Peter drückt das so aus: „Deutsche können ganz schön ‚rude‘ (unfreundlich) sein, wenn man sie nicht persönlich kennt.“ Allerdings fügt er hinzu: „Doch wenn man welche näher kennen lernt, dann sind sie echt nett.“ „Liebe geht durch den Magen“, heißt es; und auch dies ist eine Erfahrung des Austausches. Das Essen des jeweiligen Gastlandes ist einem zunächst fremd und es braucht Zeit bis sich Magen und Geschmacksnerven auf das Neue eingestellt haben. Katharina und Wiebke schrieben dazu: „Auch mit dem Essen hatten wir am Anfang ziemliche Probleme, da es total anders ist.“ – Und Verena und Sarah: „Das Essen ist überwiegend asiatisch, aber manchmal wollen sie uns einen Gefallen tun und versuchen Pommes oder Pizza zu machen. Die meisten gehen dann aber doch lieber ins Dorf zum Essen. Ein Drei-Gänge-Menü kostet umgerechnet zwei Euro, also kann man es sich ja mal erlauben.“

DOCH WIE UNTERSCHEIDET SICH DAS SCHULLEBEN ZWISCHEN HÜBEN UND DRÜBEN?
Am auffälligsten ist sicherlich der Kontrast zwischen Tagesschule und Internatsschule. War für die aus Indien kommenden Austauschschülerinnen und -schüler der deutsche Schultag eher kurz, so schienen die zehn Stunden an der KIS sich ewig lang hinzuziehen. Dafür gab es an der KIS dann aber auch viel mehr Aktivitäten, die den Austauschschülerinnen und -schülern die Möglichkeit gaben, Freundschaften zu knüpfen und zu intensivieren, während in Deutschland die Isolation schon manchmal ein Problem sein konnte. „Nach der Schule ging halt jeder nach Hause und nur selten konnten wir uns außerhalb der Schule mit unseren Klassenkameradinnen und -kameraden treffen“, sagten Benjamin und Peter.
Das war laut Katharina und Wiebke an der KIS anders. „Das Leben im Internat war zwar für uns totales Neuland, doch es machte großen Spaß, zusammen mit 25 anderen Mädchen in einem Haus zusammen zu wohnen. Es war ein bisschen wie eine riesige Wohngemeinschaft.“ Höhepunkte waren auf beiden Seiten Reisen, die eine tiefere Einsicht in das jeweilige Gastland boten. Zwei Reiseeindrücke von Katharina und Wiebke möchte ich hier kurz erwähnen: „Besonders eindrucksvoll war ein ‚fieldtrip‘, wo wir in drei Dörfer gefahren sind und die Einwohner unterstützt haben ... zum Beispiel Komposthaufen angelegt, Häuser gemalert, Bäume gepflanzt.“ Der zweite bezieht sich auf eine von der KIS organisierte Rundreise: „Gerade auf dieser Tour wurde uns bewusst, wie unterschiedlich Indien und unsere Heimat doch sind: zum Beispiel das Kastensystem (welches trotz offizieller Abschaffung in den Köpfen der Menschen weiter lebt) und die Rolle der Frau. Wir haben selbst erfahren müssen, dass die Frau in Indien unterdrückt wird ... Auch uns blieben Pfiffe und manch anderes nicht erspart. Ferner unterscheiden sich die Kultur- und Religionspraktiken sehr stark von unseren. Sie sind deutlicher ausgeprägt als in Deutschland und selbst als Tourist kriegt man viel mit von den Kulturbräuchen, -sitten, -regeln.“ Zu einer dieser Regeln haben Sarah und Verena folgende Beobachtung festgehalten: „Richtig gefährlich sind die indischen Kühe. Wenn man auf seinem Weg einer Kuh begegnet, sollte man geschwind ausweichen, da die Kuh in Indien das Recht auf ‚Vorfahrt‘ genießt.“ Da waren die Reisen von Sa Rang, Rohan, Benjamin und Peter in Deutschland sicherlich etwas weniger abenteuerlich, wenn auch nicht weniger eindrücklich. Das größte Erlebnis für Peter war es, die Zugspitze zu besuchen und durch Schnee zu stapfen!
Eine Enttäuschung waren die deutschen Gottesdienste, „die waren meist sehr steif und die Kirchen leer“. Das ist in Kodaikanal anders, wo Gottesdienste zu einem großen Teil von Schülerinnen und Schülern mitgestaltet werden. Ein halbes Jahr in einem fremden Kontext zu leben erlaubt sicherlich nur eine begrenzte Einsicht in die jeweilige Kultur des Gastlandes. Doch bleiben es prägende Erfahrungen, die die jungen Menschen bereichern und sie dazu ermutigen, auch zukünftig hin und wieder einen Blick über den eigenen Tellerrand zu wagen. Vielleicht motiviert sie die Erfahrung des Austausches sogar dazu, anderen Menschen in ihrem Land den Blick zu weiten, Vorurteile abzubauen und Mut zu machen, die globale Verantwortung anzunehmen, um gemeinsam an einer besseren Welt für morgen zu arbeiten. Wo das auch nur im Kleinen geschieht, sind wir auf dem richtigen Weg und deshalb werden wir auch in diesem Jahr unser Austauschprogramm fortsetzen und jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihre gewohnten Lebensbereiche zu verlassen, um sich auf das Abenteuer des Neuen und Fremden einzulassen.